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Drama in Nürnberger Delfinarium

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27.07.2006
Delfinkalb kam ums Leben: WDCS kritisiert Delfinhaltung


Am 22.07. wurde ein gesundes Delfinkalb der Art "Großer Tümmler" im Tiergarten Nürnberg geboren. Bei einem Kampf der Mutter mit einem anderen Delfin wurde das Neugeborene tödlich verletzt und verstarb 26 Minuten später. Die Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS sieht hierin einen erneuten Beleg für eine nicht artgerechte Haltung von Delfinen in Gefangenschaft.
 
Seit Mai 2006 sind im Nürnberger Delfinarium drei Kälber und ein Muttertier verstorben. Als Todesursache wurden die folgenden Ursachen vom Zoobetreiber genannt: Ein  Neugeborenes erstickte, ein weiteres Jungtier starb an einer Infektion im Mutterleib und verursachte dadurch zusätzlich den Tod der Mutter. Das dritte Jungtier starb erst vor wenigen Tagen bei einem Kampf seiner Mutter mit einem anderen Delfinweibchen.
 
Konkurrenzkämpfe zwischen Delfinen sind in Gefangenschaft häufig. Aus diesem Grund werden trächtige Weibchen in Delfinarien oft von ihren Artgenossen isoliert. Damit konnte man in der Vergangenheit vergleichbare Unfälle vermeiden. Doch dieses Verfahren hat auch Nachteile: Ähnlich wie bei uns Menschen verläuft die Geburt eines Delfins weniger instinktiv als bei den meisten anderen Tieren. Darum ist es wichtig, dass junge Weibchen durch Beobachtung lernen. Dies können sie natürlich nicht, wenn die trächtigen Weibchen isoliert werden. "Zuchterfolge bei Delfinen werden dadurch unwahrscheinlich und weitere misslungene Geburten sind vorhersehbar", kritisiert der Verhaltensbiologe Dr. Karsten Brensing von der WDCS.
 
Im Gegensatz zu der Meinung von Zoodirektor Enke (Zitat: "Wir haben keine Fehler gemacht und müssen versuchen, den Kopf hochzuhalten") sieht die WDCS hier einen erneuten Beleg für eine nicht artgerechte Haltung
 
Dr. Karsten Brensing (WDCS) hatte sich nur wenige Tage vor dem erneuten Vorfall mit dem Leiter des Delfinariums in Nürnberg Herrn Dr. von Fersen und dem verantwortlichen Bürgermeister Herrn Förther getroffen, um die Situation der gefangenen Delfine in Nürnberg zu erörtern. Dabei wurde deutlich, dass besonders die Forderung der Delphinbefreier, einer Nürnberger Tierschutzgruppe, nach Akteneinsicht und besserer Information der Öffentlichkeit von größter Wichtigkeit sind. Nach Zustimmung des Bürgermeisters Förther bedarf es zu diesem Punkt nun noch der Entscheidung des Zoodirektors.
 
Nicolas Entrup, Geschäftsführer der WDCS Deutschland, sagt: "Derzeit gibt es keinen Beweis dafür, dass Delfine in Gefangenschaft erfolgreich nachgezüchtet werden können, und die Einsicht in das europäische Zuchtbuch wird uns trotz mehrfacher Nachfrage verwehrt. Trotz kommerziellem Einfuhrverbot in die EU kommt es jedes Jahr leider weiterhin zu Importen wild gefangener Delfine in den EU-Raum." Entrup fügt hinzu: "Es ist an der Zeit, dass sich die Gesellschaft und Entscheidungsträger bewusst werden, dass es nicht mehr zeitgemäß ist, diese hoch entwickelten Meeressäuger in Gefangenschaft zu halten."

 

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Quelle: WDCS

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