veröffentlicht am 21.09.2021

Der Marktcheck im September 2021

Klopapier, Taschentücher und Küchenrollen unter der Lupe

Elf Euro geben wir in Österreich pro Monat und pro Haushalt für Hygienepapier aus. Gerade zu Beginn der Corona-Krise hat es einen Boom bei Klopapier gegeben, im letzten Jahr sind die Umsätze der Hersteller weiter gestiegen. Aus unserem Alltag nicht wegzudenken, aber wenig beachtet, haben Klopapiere, Taschentücher und Küchenrollen große Auswirkungen auf unsere Umwelt. Denn in den Produkten steckt eine Unmenge an Holz. Aber Wälder sind unsere Lebensgrundlage und Bäume viel zu wertvoll, um die Erzeugnisse aus Holz nach einmaliger Nutzung wegzuwerfen. Grund genug für Greenpeace Hygienepapier beim Marktcheck unter die Lupe zu nehmen und zu prüfen, welche Produkte man mit gutem Gewissen kaufen kann.

(c) Mitja Kobal / Greenpeace

Recycling-Produkte sind top, aber die Ausnahme im Regal

Geprüft hat Greenpeace das Angebot an Hygienepapier in den größten Drogerien und Supermärkten. Wenig erfreuliches Ergebnis: Mehr als 80 Prozent der Produkte im Marktcheck waren aus frischen Holzfasern hergestellt, bei 5 Prozent Frischfasern und Altpapier gemischt. Nur bei 15 Prozent der Hygienepapiere handelt es sich um umweltschonende Recycling-Produkte.
Um die Ressource Wald zu erhalten, braucht es einen bewussten Konsum sowie einen höheren Recycling-Anteil bei Taschentüchern, Klopapier und Co. Die frischen Fasern von Bäumen sind für Klima und Umwelt viel zu wertvoll, um sie in der Toilette runter zu spülen oder um im Restmüll zu enden. Allein um ein Kilogramm Papier herzustellen, werden 2,2 Kilogramm Holz benötigt. Die Papierherstellung braucht außerdem noch viel Energie, Chemikalien und vor allem Wasser. Um Wälder weltweit und damit das Klima zu schützen, fordert Greenpeace strengere Regelungen und ein starkes EU-Gesetz für globalen Waldschutz.

Gut bewertete Klopapiere, Taschentücher und Küchenrollen

Am häufigsten fand sich Altpapier in Klopapier: 40 Prozent der Produkte waren aus wieder verwertetem Papier. Zumindest ein Recycling-Klopapier war in allen untersuchten Drogerien und Supermärkten erhältlich. Schwer zu finden sind hingegen recycelte Küchenrollen oder Taschentücher, bei ersteren liegt der Anteil bei sechs und bei den Taschentüchern gar nur bei zwei Prozent. Produkte aus Altpapier in allen drei Kategorien des Marktchecks gibt es nur bei den Drogerien dm und Müller sowie der Supermarktkette MPreis mit vielen Filialen in Tirol. Am Bild eine Auswahl von den Recycling-Produkten im Marktcheck.

(c) Mitja Kobal / Greenpeace

Vertrauenswürdige Siegel statt "Zeichentricks"

Empfehlenswert sind laut Greenpeace Gütesiegel wie “Blauer Engel” und das “Österreichische Umweltzeichen” oder Produkte mit einem Hinweis auf 100 Prozent Recycling-Papier auf der Verpackung. Bei den beiden Zeichen im Bild unten gibt es neben der Vorgabe für 100 Prozent recyceltes Rohmaterial auch strenge Richtlinien für den Einsatz von Chemikalien oder für eine möglichst umweltschonende Verpackung. Zu finden sind diese Siegel leider nur auf einer Minderheit der Produkte in den Märkten.

(c) Mitja Kobal / Greenpeace

Die häufigsten Siegel "FSC Mix” oder “PEFC”, mit denen Holz zertifiziert wird, sind im Greenpeace-Ratgeber “Zeichentricks” als “absolut nicht glaubwürdig” eingestuft. Hier sind die Kriterien und die Kontrollen zu schwach, um die Wälder weltweit wirksam zu schützen.

Fragwürdige Düfte und Farben

Viele Hygienepapiere sind mit Duftstoffen, mit Balsam und Ölen versetzt. Leider sind die verwendeten Stoffe nicht deklarationspflichtig, sie müssen auf so genannten “Bedarfsgegenstände” nicht angeführt werden. Aber viele Menschen neigen zu allergische Reaktionen auf bestimmte Inhaltsstoffe. Auch die Entsorgung von Hygienepapiere mit Duftstoffen ist nicht unbedenklich - sowohl der Weg ins Abwasser als auch auf die Biotonne sollte vermieden werden. Wer seiner Gesundheit Gutes tun und die Umwelt schützen will, verzichtet am besten auch auf fragwürdige Farbzusätze und gefärbtes Klopapier.

Konsum überdenken: Feuchtes Klopapier und Küchenrollen

Der Umwelt und Volkswirtschaft kommt feuchtes Klopapier teuer, denn die Tücher aus Kunststoff sind biologisch nicht abbaubar. Viel zu oft gelangen sie ins Abwassersystem und verstopfen die Kläranlagen. Die Produkte, die vielfach mit "Sauberkeit" und "Pflege" werben, machen sich aber auch auf unserer Haut nicht gut: Die Zeitschrift Ökotest kritisiert Schadstoffe wie Konservierungsstoffe und Parfums, die besonders mit Schleimhäuten nicht in Kontakt kommen sollten..

Gut überlegen sollten wir uns auch die Verwendung und den Kauf von Küchenrollen - besonders beim Einsatz als Wischtusch zur einmaligen Verwendung. Aus Umweltsicht sind wiederverwendbare Küchentücher oder waschbare Materialien für viele Verwendungszwecke im Haushalt die wesentlich klügere Lösung. Wo Mehrweg nicht möglich ist, empfiehlt Greenpeace den Griff zu 100 Prozent recyceltem Papier.

Ergebnisse des Marktchecks Hygienepapier

Immerhin rund 110 Rollen Klopapier, 620 Papiertaschentücher und 50 Küchenrollen verbrauchen die Österreicher und Österreicherinnen im Schnitt pro Jahr. Weitere interessante Zahlen und Informationen finden sich in den Hintergrundinfos Hygienepapier.

Überrascht hat beim Marktcheck die große Anzahl an Produkten in den Regalen: In den Drogeriemärkten sind rund im Schnitt 20 verschiedene Klopapiere, fast 40 verschiedene Taschentücher und 10 Küchenrollen erhältlich. In den Supermärkten sind es etwas weniger.
Die beste Note nämlich ein "Sehr gut" bekommt der Drogeriemarkt Müller und belegt damit Platz 1 beim Marktcheck. Alle Infos zum Abschneiden der Supermärkte und Drogeriemärkte sind bei den Ergebnissen Hygienepapier und Kriterien der Bewertung nachzulesen.

Übrigens: Mit dem Marktcheck nimmt Greenpeace regelmäßig das Angebot der größten österreichischen Supermärkte unter die Lupe und veröffentlicht das Abschneiden der Märkte bei den unterschiedlichen Sortimenten immer auf https://marktcheck.greenpeace.at/

Jetzt Teilen!