Insgesamt fallen in Österreich pro Jahr 100.000 - 120.000 Tonnen alte Elektro- und Elektronikgeräte an. Aber wo endet der gesammelte Elektroschrott dann zukünftig? Was heißt "lückenlos umweltgerecht verwertet"? Es gibt fünf mögliche Entsorgungs- oder Weiterverwertungsmethoden: Deponien, Müllverbrennung, Wiederverwendung, Recycling oder Export.
Aus Deponien können in den Elektronikgeräten verwendete giftige Chemikalien in den Boden sickern oder in die Atmosphäre freigesetzt werden. In vielen europäischen Ländern wurde es aufgrund des gefährlichen Innenlebens verboten, Elektroschrott auf Deponien abzulagern. Es gibt jedoch zahlreiche Länder wo dies nach wie vor praktiziert wird. Es wird geschätzt, dass z.B. in Hongkong 10 bis 20 Prozent der Computer auf Deponien entsorgt werden.
Die Verbrennung von Elektroschrott in Müllverbrennungsanlagen führt zur Freisetzung von Schwermetallen wir Blei, Cadmium und Quecksilber. Je nach Standard der Müllverbrennungsanlage gelangen diese dann in die Luft und in die Asche.
Die Wiederverwendung von intakten Geräten hat den Vorteil, dass sie den Lebenszyklus der Produkte verlängert. Viele dieser alten Produkte werden in sog. "Entwicklungsländer" exportiert. Obwohl die Vorteile der Wiederverwendung klar auf der Hand liegen, verursacht diese Praxis ernste Probleme, da die Produkte nach kurzer Dauer ausgedient haben. Die Entsorgung ist zumeist nicht fachgerecht möglich, da in diesen Ländern die Einrichtungen fehlen um die Gefahrenstoffe sicher zu entsorgen.
Obwohl Recycling einer guter Weg sein kann, die in den Produkten befindlichen Rohstoffe wieder zu verwerten, stellen die gefährlichen Chemikalien in Elektronikprodukten eine ernste gesundheitliche Bedrohung für die Arbeiter in den Recyclinghöfen dar, ebenso in den angrenzenden Gemeinden und für die Umwelt.
In entwickelten Ländern findet Recycling von alten Elektronikgeräten in extra dafür gebauten Recyclingeinrichtungen unter kontrollierten Bedingungen statt. In vielen EU-Staaten wird Plastik aus Elektroschrott z.B. nicht recycelt um zu vermeiden, dass Dioxine und bromierte Furane in die Atmosphäre freigesetzt werden. In Entwicklungsländern gibt es jedoch normalerweise solche Kontrollen nicht. Recycling wird per Hand auf Schrottplätzen durchgeführt, oft von Kindern.
Oft wird Elektroschrott aus entwickelten Ländern in sog. "Entwicklungsländer" exportiert. Dabei wird in vielen Fällen internationales Recht (die "Basel Konvention", welche den grenzüberschreitenden Transport gefährlicher Abfälle regelt) gebrochen. Bei Inspektionen von 18 europäischen Häfen im Jahr 2005 wurde festgestellt, dass 47 Prozent des Mülls, der exportiert werden sollte (darunter auch Elektroschrott), illegal war. Alleine aus Großbritannien wurden 2003 23.000 metrische Tonnen Elektronikschrott illegal in den Fernen Osten, Indien, Afrika und China exportiert.
China versucht diesen Handel zu stoppen, indem es den Import von Elektroschrott im Jahr 2000 verboten hat. Greenpeace hat jedoch aufgedeckt, dass diese Gesetze nicht eingehalten werden. Im Süden Chinas kommt nach wie vor Elektroschrott aus der entwickelten Welt an. Dort gibt es Dörfer, die sich völlig dem lebensgefährlichen Recycling von Elektroschrottbestandteilen widmen.
Auch in Indien hat Greenpeace ein wachsendes Elektroschrottproblem aufgedeckt. Alleine auf Schrottplätzen in Delhi werden 10.000 20.000 Tonnen Elektroschrott pro Jahr verarbeitet, 25 Prozent davon sind Computer.
Der internationale Greenpeace-Bericht vom August 2005 (Download am Ende der Seite zu finden) gibt die Ergebnisse von Analysen von Staub, Boden und Abwasser von Schrottplätzen, die auch als Recyclinghöfe genutzt werden, in China und Indien wieder. Die Analysen zeigen klar, dass zahlreiche giftige Chemikalien, einschließlich Schwermetallen, in die Arbeitsplätze und in die angrenzende Umwelt frei gesetzt werden. Die Bleikonzentrationen in Staubproben aus einigen der chinesischen Recyclinghöfe waren im Vergleich zu normalem Hausstaub um hunderte Male erhöht. Die Kontamination war nicht auf das Recycling selbst beschränkt. Auch Staub, der in den Häusern der Arbeiter gesammelt wurde, war im Vergleich zu solchen ohne eine Verbindung der Bewohner zum Elektroschrottrecycling stärker mit Schwermetallen belastet.
Der Bericht zeigt wie wichtig es wäre, dass die Industrie von Anfang an auf den Einsatz dieser gefährlichen Substanzen in ihren Produkten verzichtet, und Verantwortung für den kompletten Lebenszyklus ihrer Produkte übernimmt.
Firmen wie Samsung, Nokia, HP, Sony und Sony Ericsson haben sich bereits verpflichtet, zukünftig bei der Herstellung ihrer Produkte auf die Nutzung gefährlicher Chemikalien wie PVC und bromierter Flammschutzmittel zu verzichten.
Andere Firmen wie Dell, IBM/Lenovo, Siemens, Acer, Toshiba, Panasonic, Fujitsu-Siemens und Apple haben sich zu einer solchen Selbstverpflichtung bislang nicht durchringen können.
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Quelle: Greenpeace |