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USA planen Strafzölle auf österreichische Produkte

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13.03.2008
Strafzölle wegen Gentech-Importverboten geplant



Der Import von Gentech-Mais ist in Österreich verboten.

Die USA planen die Verhängung von Strafzöllen auf europäische und österreichische Produkte. Damit soll unter anderem die Aufhebung der Importverbote für gentechnisch veränderten Maissorten erzwungen werden. Greenpeace verurteilt diese Aktion aufs Schärfste und hat sich heute in einem offenen Brief an die US-Botschaft in Wien gewandt. 

 

Greenpeace übt heftige Kritik daran, dass die USA die Verhängung von Strafzöllen auf europäische und österreichische Produkte planen. Damit soll unter anderem die Aufhebung der österreichischen Importverbote für die gentechnisch veränderten Maissorten MON 810 und T25 erzwungen werden. Greenpeace verurteilt diese Aktion aufs Schärfste und hat sich heute Morgen in einem offenen Brief an die US-Botschaft in Wien gewandt.

 

"Die USA basteln an einer Schwarzen Liste für Strafzölle, auf der sich bald prominente Produkte wie beispielsweise Mannerschnitten wieder finden könnten. Diese würden dann aufgrund bis zu doppelt so hoher Importzölle massive Umsatzeinbussen in den USA erleiden.", empört sich Steffen Nichtenberger, Gentechnik-Sprecher von Greenpeace, " Wir fordern die US-Botschaft in Wien auf, alles zu tun, um das zu verhindern", so Nichtenberger.

 

Hintergrund dieser Vorgehensweise ist der Schiedsspruch der Welthandelsorganisation WTO im Gentechnik-Streitfall EU-USA. Zentraler Bestandteile des Streitfalls waren das mittlerweile ausgelaufene EU-Moratorium auf Gentech-Neuzulassungen sowie die Gentech-Importverbote einiger EU-Staaten, darunter auch jene Österreichs. Waren es ursprünglich zwölf Verbote in sechs verschiedene Ländern,  die im Rahmen des WTO-Falles verhandelt wurden, so sind mittlerweile nur noch die heimischen Verbotsverordnungnen für die Maissorten MON 810 und T25 in Kraft.

 

Im endgültigen Schiedsspruch durch die WTO vom September 2006 wurde zwar bemängelt, dass für die österreichischen Importverbote keine Risikoabschätzung nach WTO-Regeln durchgeführt wurde. Andererseits wurde die prinzipielle Rechtmäßigkeit solcher Importverbote vom Urteil bestätigt. Seit diesem Zeitpunkt verhandelt die EU-Kommission mit den USA über die Umsetzung des WTO-Urteils, bisher ohne Ergebnis.

 

Nun findet sich im Amtsblatt des US-Handelsministeriums der Aufruf an US-amerikanische Firmen, bis 21. März 2008 spezifische Produkte aus der EU für die Belegung mit Strafzöllen vorzuschlagen. Es sollen solche Produkte vorgeschlagen werden, die "eine vorteilhafte Lösung des Gentechnik-Streitfalls fördern".

 

"Mit der Brechstange wollen die USA die Aufhebung der Gentech-Importverbote erzwingen, das souveräne Recht der Österreicher auf gentechnikfreie Lebensmittel bleibt dabei auf der Strecke", so Nichtenberger abschließend.

 

Quelle: Greenpeace

Brief an die US-Botschaft

An die
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
z.H. Geschäftsträger Scott F. Kilner
Boltzmanngasse 16
A-1090 Wien



Wien, 13. März 2008

Betreff: Verhängung von Strafzöllen auf österreichische Produkte durch die USA

Sehr geehrter Herr Kilner!

Greenpeace ist höchst besorgt aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Gentechnik-Streitfall zwischen den USA und der EU. Ich wende mich in dieser Angelegenheit an Sie, da ich die Qualität der Beziehung zwischen den USA und Österreich gefährdet sehe und aufkeimenden anti-amerikanischen Ressentiments in Österreich vorbeugen möchte.

Zur Erinnerung: In Österreich sind Importverbote für die beiden gentechnisch veränderten Maissorten MON 810 und T25 in Kraft, die im Rahmen des Gentechnik-Streitfalls vor der Welthandelsorganisation WTO – das gesamte Verfahren wurde vor allem auf Betreiben der USA geführt- Verhandlungsgegenstand waren. Im endgültigen Schiedsspruch durch die WTO vom September 2006 wurde zwar bemängelt, dass für die österreichischen Importverbote keine Risikoabschätzung nach WTO-Regeln (SPS-Agreement) durchgeführt wurde. Andererseits wurde die prinzipielle Rechtmäßigkeit solcher Importverbote vom Urteil bestätigt.

Zudem spricht sich die überwiegende Mehrheit der Österreicher in Umfragen regelmäßig gegen den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen in Landwirtschaft und Nahrungsmittel aus. Bereits jetzt bin ich in meiner Tätigkeit als Gentechnik-Sprecher von Greenpeace fast täglich mit Menschen konfrontiert, die dem Drängen der US-Administration auf Aufhebung der österreichischen Gentechnik-Importverbote verständnislos gegenüber stehen.

Umso größer wird die Verständnislosigkeit der Österreicher darüber sein, das das US-Handelsministeriums (USTR) derzeit US-amerikanische Firmen dazu aufruft, Produkte aus der EU für die Verhängung von Strafzöllen vorzuschlagen. Im Besondern werden dabei Produkte aus jenen EU-Ländern angeführt, die explizit vom Gentechnik-Streitfall betroffen sind, also auch Österreich.

Im Sinne guter zwischenstaatlicher Beziehungen und der Vorbeugung anti-amerikanischer Ressentiments in Österreich ersuche ich Sie, auf die zuständigen Behörden in den USA einzuwirken und alles in Ihrer Macht Stehende zu tun, um die Verhängung von Strafzöllen auf österreichische Produkte in die USA zu verhindern. Auf diese Weise bleibt das souveräne Recht Österreichs auf gentechnikfreie Lebensmittel gewahrt.


Hochachtungsvoll



Steffen Nichtenberger

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