Gentechnik-Freiheit ist Überlebenschance für heimische Milchwirtschaft
Die niederösterreichische NÖM stellt als erste österreichische Molkerei die gesamte konventionelle Frischmilchpalette auf "Gentechnik-frei" um. Die Umweltorganisation Greenpeace begrüßt diese am 27. Juli 2005 vorgestellte Firmenentscheidung. Noch im September 2004 hatten Greenpeace-AktivistInnenen die NÖM-Zentrale in Baden bei Wien besetzt, um gegen den Einsatz von Gentech-Soja im Kuhfutter zu protestieren. "Ein Erfolg für die KonsumentInnen, für die Umwelt und nicht zuletzt für Greenpeace und das bei gleich bleibendem Verkaufspreis", freut sich Greenpeace-Sprecher Steffen Nichtenberger. "Wir fordern die übrigen österreichischen Molkereien wie die Berglandmilch auf, dem Beispiel der NÖM zu folgen und die Gentech-Soja vom Menüplan ihrer Kühe zu streichen."
"Die NÖM setzt auf Gentechnik-Freiheit und manövriert sich so in eine gute Position, um auch im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Gentechnik-freie Milchprodukte werden von den KonsumentInnen gewünscht, sind machbar und wirtschaftlich sinnvoll", so Nichtenberger.
Im Frühjahr 2004 haben sich 88 Prozent der KonsumentInnen und 97 Prozent der LandwirtInnen gegen den Einsatz von Gentech-Tierfutter ausgesprochen. Schon 2003 hatte die drittgrößte österreichische Molkerei, die Tirolmilch, Gentechnik-freie Trinkmilch auf den Markt gebracht. Am 9. September 2004, also noch vor der NÖM, hatte der Vorstand der Kärntnermilch beschlossen, auf Gentech-Soja im Futtertrog zu verzichten. Dieser Betrieb ist aber noch mit der Umstellung beschäftigt.
Der Einsatz von Gentechnik im Tierfutter ist auch in Österreich keine Seltenheit: 500.000 Tonnen Gentechnik-hältige Soja landen pro Jahr in den heimischen Futtertrögen. Die Lebensmittel, bei deren Erzeugung dieses Futter verwendet wird, müssen allerdings noch immer nicht gekennzeichnet werden.
"Firmen, die wie die NÖM Gentechnik-frei werden wollen, müssen derzeit die Kosten selbst tragen vor allem für die Kontrolle", ärgert sich Nichtenberger. "Im Gegensatz dazu ersparen sich Firmen, die Gentech-Tierfutter verwenden, diese Kosten zur Qualitätssicherung. So werden also sogar belohnt, dass sie den Menschen gegen deren Willen Gentechnik unterjubeln." Greenpeace sammelt deshalb Unterschriften für eine strenge Gentechnik-Kennzeichung: Eine Million Unterschriften sollen im Frühjahr 2006 an die EU-Kommission übergeben werden.
Die NÖM ist die wichtigste Molkereiengruppe in Ostösterreich. Mit rund 100 Million Liter Milch wird derzeit rund ein Drittel der NÖM-Produktion ohne den Einsatz von Gentech-Soja hergestellt. "Entgegen allen Unkenrufen aus der Landwirtschaftsszene zeigt die NÖM, dass es geht: Qualität durch Gentechnik-Freiheit, ohne Mehrkosten für BäuerInnen und KonsumentInnen", kommentiert Nichtenberger. "Der Lebensmittelhandel kann zum Erfolg von Gentechnik-freien Produkten beitragen. Billa, Spar und Co sind aufgefordert, in ihren Regalen Platz für Gentechnik-freie Produkte zu machen."
Quelle: Greenpeace |