Claudia Sprinz, Konsumentensprecherin bei Greenpeace kommentiert die Antwort von Zielpunkt wie folgt:
1. Optimales Sortiment
Die Erhebung von Greenpeace vom Mai 2010 hat gezeigt, dass in Zielpunkt-Supermärkten die Auswahl an Getränken in Mehrweggebinden nur bei Bier vorhanden ist. Bei Mineralwasser gab es nur ein Getränk in nur einer untersuchten Filiale, bei Limonade und Fruchtsäften gab es gar kein einziges Getränk zur Wahl.
2. Rückgang der Nachfrage
Unabhängige Untersuchungen haben gezeigt, dass KonsumentInnen Mehrweg bevorzugen, wenn sie vom Handel über die Vorteile von Mehrwegprodukten informiert werden und Mehrwegflaschen gut erkennbar an leicht zugänglichen Plätzen im Geschäft zu attraktiven Preisen angeboten werden.
Betont jedoch niemand die ökologischen Vorteile von Mehrwegflaschen
- und/oder sind sie im Laden nicht von Einwegflaschen zu unterscheiden
- und/oder werden an ungünstigen Stellen im Verkaufslokal platziert
- und/oder zu teuren Preisen angeboten,
kann es zum Rückgang der Nachfrage von Mehrweg kommen.
Jeder, der sich mit Marketing beschäftigt hat weiß, dass man mit verschiedenen Maßnahmen den Verkauf von Produkten steuern kann. Zielpunkt nutzt Werbung schließlich ja auch erfolgreich dafür, um KundInnen in seine Filialen zu bringen.
Dass Zielpunkt behauptet, "seine KundInnen nicht lenken" zu wollen, ist daher falsch. Denn Zielpunkt ist ein wirtschaftlich arbeitendes Unternehmen und will natürlich, dass die KonsumentInnen in seinen Filialen einkaufen und nicht in denen des Mitbewerbs.
Zielpunkt könnte beispielsweise auf seiner Website und in seinen Flugblättern über die Vorteile von Mehrweg informieren. Zurzeit wird nämlich lediglich das Mehrweg-Logo in den Flugblättern bei entsprechenden Produkten abgedruckt. Dieses ist den meisten KonsumentInnen (noch) nicht sehr bekannt, zumal es keine Verpflichtung gibt, es abzubilden.
3. Anzahl der LieferantInnen Fakt ist, dass es nach vor viele regionale Hersteller gibt, die Getränke in Mehrwegflaschen anbieten, auch im Bereich Limonaden oder Fruchtsäfte, wie die Erhebung von Greenpeace im Mai 2010 gezeigt hat. Bei dieser Untersuchung kam heraus, dass es einige wenige Supermärkte gab, die noch zahlreiche dieser Produkte in Mehrwegflaschen im Sortiment haben.
Eine weitere Erhebung von Greenpeace im Juli 2010 hat gezeigt, dass es in Österreich immer noch regionale Abfüller von Mineralwasser gibt, die solche Produkte in Mehrwegflaschen anbieten. Doch von diesen Produkten waren - entgegen den Behauptungen von Zielpunkt - bei der Untersuchung im Mai so gut wie keine in den Filalen von Zielpunkt zu finden.
4. Vöslauer-"Mehrweg"
Die Vöslauer 1 Liter-Pfandflaschen sind keine Mehrwegflaschen und sorgen offenbar nicht nur bei KonsumentInnen, sondern auch bei Zielpunkt für Verwirrung.
Die Vöslauer 1 Liter-Flasche ist eine sogenannte "Zweiwegflasche". Vöslauer befüllt diese Flaschen nur einmal und entsorgt sie nach einmaliger Verwendung und das geht so: Die alten, nur ein Mal verwendeten Flaschen, werden zerkleinert und daraus wird Kunststoffgranulat erzeugt. Um daraus eine neue Flasche zu produzieren, muss Vöslauer jedoch mindesten 50% neues Kunststoff-Material hinzufügen.
Die meisten negativen Umweltauswirkungen von Getränkeverpackungen entstehen bei der Herstellung und da schneidet auch die Zweiwegflasche deutlich schlechter ab als Mehrweg. Obwohl Mehrwegflaschen transportiert, gereinigt und wieder befüllt werden, verbraucht das Mehrwegsystem deutlich weniger Energie als Einweg und nur einen Bruchteil der Rohstoffe, die zur Herstellung von Einweg oder Zweiweg benötigt werden.
Durch die Ölpest am Golf von Mexiko ist die Sensibilität im Umgang mit knappen Ressourcen wie Erdöl gestiegen. Abgesehen von Treibstoff werden auch Kunststoffe aus Erdöl gewonnen. Es ist daher ein Gebot der Stunde, mit Kunststoffprodukten besonders verantwortungsvoll umzugehen. Flaschen aus Kunststoff sollten daher so beschaffen sein, dass sie so oft als möglich neu befüllt und nicht schon nach einmaligem Gebrauch wieder entsorgt werden müssen.
Fazit:
Die Antwort von Zielpunkt ist für seine KundInnen ungenügend, weil einige Aussagen von Zielpunkt falsch und unglaubwürdig sind. Die vom Minister geforderte Wahlfreiheit bei Mehrweg erfüllt Zielpunkt nicht in allen Bereichen. Zielpunkt behauptet, dass die Produkte von Vöslauer Mehrweg sind, dabei sind sie es gar nicht. Zielpunkt will uns weis machen, das das Unternehmen seine KundInnen nicht lenken will, schaltet jedoch Werbung (die bekanntlicherweise dazu dient, Kunden zu lenken). Zielpunkt übernimmt keinerlei Verantwortung, einen Beitrag zur Bekanntmachung der Vorteile von Mehrwegflaschen beitzutragen.
Erst dann, wenn Zielpunkt in seinen Filialen eine ebenso vielfältige Auswahl an regionalen Getränken in Mehrwegflaschen anbietet und diese an attraktiven Stellen und zu attraktiven Preisen in seinen Filialen anbietet und seinen KundInnen die Vorteile von Mehrweg näher bringt, zeigt das Unternehmen, dass es Umweltschutz bei Getränken ernst nimmt. |