In der Teppichherstellung lassen sich drei Arten von Kinderarbeit unterscheiden:
- Die Kinder arbeiten im Familienverband an den Knüpfstühlen im eigenen Haus. Bezahlt wird das Familienoberhaupt, im Stückpreis mit dem Verkauf des Teppichs.
- Die Kinder arbeiten an den Knüpfstühlen bei Nachbarn und werden pro m2 bezahlt.
- In sehr armen Gegenden werden Kinder von Kinderhändlern in abgelegenen Dörfern eingekauft und in Teppichfabriken gebracht. Die Eltern erhalten einen Vorschuss, den die Kinder mit ihrer Arbeit zurückzahlen müssen. Die Kinder bleiben meist jahrelang in dieser Schuldknechtschaft gefangen und werden für immer von ihren Familien getrennt.
Internationale Bemühungen in der Bekämpfung der missbräuchlichen Kinderarbeit haben gezeigt, dass, um das Problem langfristig zu lösen, in erster Linie die Einkommensmöglichkeiten der Erwachsenen verbessert, gesichert und stabilisiert werden müssen.
Die harte, internationale Konkurrenz auf dem Teppichmarkt verschärft das Problem, da Kinder auch in Gebieten mit grosser Arbeitslosigkeit angestellt werden, weil sie folgsamer, fleissiger und billiger sind als die Erwachsenen.
Kinder, die arbeiten müssen um ihren Lebensunterhalt oder denjenigen der Familie (mit) zuverdienen, sind auf ihr Einkommen angewiesen. Deshalb genügt es nicht, sie aus der Produktion zu nehmen ohne sich weiter um sie zu kümmern. Damit die Kinder statt an den Knüpfstuhl in die Schule gehen können, müssen die Produzenten Exporteure einen fairen Preis für ihre Ware erhalten, der es ihnen ermöglicht, den Erwachsenen einen gerechten Lohn zu bezahlen.
In seltenen Fällen, und nur wenn die schulische Grundausbildung der Kinder nicht gefährdet ist, akzeptiert die Stiftung STEP Teilzeitarbeit von Kindern als Übergangslösung, um dem Risiko vorzubeugen, dass die Kinder unter noch schlimmeren Arbeitsbedingungen, in anderen Industrie- und Dienstleistungssektoren arbeiten müssen.
In Indien ist die Teppichindustrie eine wichtige Heimindustrie, die als Erwerbsquelle für die ganze Familie meistens im Stückauftrag ausgeführt wird. Die Produktion ist dezentralisiert und findet hauptsächlich in den Dörfern statt.
Quelle: Label STEP |