Es gehört zu den schlimmsten Nebenerscheinungen und zu den Tabuthemen des internationalen Tourismus: Gerade in den Tourismusgebieten von armen Ländern wächst die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die zur Prostitution gezwungen werden.
Die UNICEF geht davon aus, dass weltweit rund 2 Millionen Kinder gezwungen sind, ihren kargen Lebensunterhalt als Sexsklaven in der Prostitution zu verdienen. Die Nachfrage von TouristInnen aus westlichen Ländern nach Kinderprostituierten steigt leider an. Der Tourismus ist dabei nicht die unmittelbare Ursache, jedoch tragen mitunter Reisende durch ihr Verhalten dazu bei, dass immer mehr Minderjährige in fernen (und auch nahen) Reiseländern in einen Teufelskreis von finanzieller Abhängigkeit und sexueller Ausbeutung geraten.
Kinder werden damit immer mehr zur "Ware". Inzwischen ist der Kinderhandel genauso lukrativ geworden wie der Drogenhandel. Die Kinder zahlen für all das einen hohen Preis: Sie zahlen mit ihrer physischen und psychischen Gesundheit und oft sogar mit ihrem Leben.
Eine der Ursachen von Kinderprostitution liegt in den wirtschaftlichen und sozialen Problemen vieler Länder. Armut und das Fehlen eines Schulabschlusses oder einer Berufsausbildung bringen viele Kinder dazu, ihren Körper zu verkaufen auch an zahlungskräftige Reisende. Gewalt auch in der eigenen Familie ist oft der Anfang. Das ist jedoch alles kein Grund, Kinderprostitution zu entschuldigen und zu dulden im Gegenteil: Die sexuelle Ausbeutung von Kindern in fernen Ländern ist strafrechtlich ein Kapitalverbrechen, dass bei entsprechenden Hinweisen ohne Anzeige von Staats wegen verfolgt werden muss. Und zwar auch in Österreich, sofern der Täter / die Täterin österreichische StaatsbürgerIn ist - selbst wenn die Tat im Ausland begangen worden ist.
Zivilcourage! Dein Handeln zählt!
Aufmerksame Reisende und Touristen, die sich entscheiden, die Augen und Ohren nicht zu verschließen, können viel dazu beitragen, die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen zu bekämpfen. Durch ihr Handeln und ihre Unterstützung, ja durch ein einziges Telefonat kann der sexuelle Missbrauch an Kindern unter Umständen verhindert werden.
Dein Beitrag als Reisende/r: Falls du den Verdacht hast, in deinem Umfeld findet sexueller Missbrauch von Kindern bzw. Kinderprostitution statt: Sprich über deine Wahrnehmungen an Ort und Stelle mit
- der Vertretung Österreichs (Botschaft, Konsulat) in deinem Urlaubsland oder mit
- der Touristenpolizei,
- der Reiseleitung deines Reiseveranstalters,
- dem Hotel.
Polizei und Interpol: Neben der raschen Beweissicherung im Ausland sind deine Mitteilungen für österreichische Behörden wichtig. Denn sie können ein entscheidender Mosaikstein sein, um den sexuellen Missbrauch an Kindern abzuwenden. Darum zögere auch in Österreich nicht und wende dich mit deinen Angaben bitte an die nächstgelegene Polizeidienststelle. Du kannst dich auch anonym an INTERPOL wenden: z.B. INTERPOL Österreich: Tel. +43-(01) 24836 85025.
Die Verantwortung der Tourismuswirtschaft Verhaltenskodex zum Schutz der Kinder
Seit Anfang der neunziger Jahre werden von der Tourismuswirtschaft verschiedene Maßnahmen ergriffen, um den Handel mit sexueller Ausbeutung von Kindern zu bekämpfen. In Österreich haben 2001 beide Dachverbände der Tourismuswirtschaft, ÖRV (Österreichischer Reisebüro und Reiseveranstalterverband und ÖVT (Österreichischer Verein für Touristik) offiziell den "Verhaltenskodex zum Schutz der Kinder" unterzeichnet. In Zusammenarbeit mit dem Veranstalter Jumbo-Touristik konnte der Verhaltenskodex im Rahmen eines Pilotprojektes in Österreich und Thailand weitreichend umgesetzt werden. So hat etwa Jumbo-Touristik mit einem Großteil seiner Vertragshotels in Thailand (etwa 60) eine Zusatzklausel zur Ächtung von "KinderSexTourismus" und "Kinderprostitution" vereinbart, durch die sich das Hotel verpflichtet, Vergehen gegen Kinder und Minderjährige zu melden bzw. sie im eigenen Hotel keinesfalls zu dulden. Neben Jumbo Touristik haben sich u.a. auch die Reiseveranstalter Tai Pan, die Schweizer Gruppe Hotelplan und die Accor Hotels verpflichtet, die sexuelle Ausbeutung von Kindern in Tourismusgebieten aktiv zu bekämpfen.
ECPAT International ECPAT Österreich
Die Kinderschutzplattform ECPAT Österreich (mehr unter www.ecpat.at bzw. ecpat(at)respect.at) hat sich zum Ziel gesetzt, über die Hintergründe von kommerzieller sexueller Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen zu informieren und gegen dieses Unrecht aufzutreten. ECPAT Österreich vertritt die Anliegen von ECPAT International (mehr unter www.ecpat.net).
Quelle: respect |