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Neuer Ratgeber "Grüne Elektronik"

7.01.2010
Ratgeber räumt mit Schönfärberei auf

Greenpeace hat bei der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas die vierzehnte Ausgabe des Ratgebers „Grüne Elektronik” vorgestellt. Während fast alle Produkte von Apple, Nokia und Sony Ericsson bereits ohne gefährliche Chemikalien hergestellt werden, enttäuschen jene von Dell, Lenovo, LGE und Samsung.


Ergebnis des Ratgebers "Grüne Elektronik" vom 30. 9. 2009

Heute hat die Umweltorganisation Greenpeace die bereits vierzehnte Ausgabe ihres Ratgebers "Grüne Elektronik" veröffentlicht:

 

 

Bei der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, der weltgrößten Messe für Unterhaltungselektronik, bemühen sich die ausstellenden Elektronikhersteller um größtmögliche Aufmerksamkeit. Dem aktuellen Trend entsprechend versuchen viele Firmen, sich möglichst ökologisch zu präsentieren. Der neue Greenpeace Ratgeber „Grüne Elektronik” bietet eine gute Orientierungshilfe, denn er zeigt auf, welche Unternehmen es tatsächlich ernst meinen, und welche nur „Greenwashing“ betreiben.

 

Bei Apple, Nokia und Sony Ericsson kommen nahezu alle Produkte ohne gefährlichen Chemikalien aus. HP ist ebenfalls auf diesem Weg. HP hat gestern einen Desktop Computer und ein Notebook angekündigt, die frei von PVC (Polyvinylchlorid, einem besonders problematischen Kunststoff) sowie von bromierten Flammschutzmitteln (BFRs) sind. Die Mehrheit der im Greenpeace Ratgeber „Grüne Elektronik“ gelisteten Firmen haben bis Ende 2009 den Austieg aus PVC und BFRs zugesichert. Für die Besucher der CES in Las Vegas hätte dies eine große Auswahl an ökologischen und chemiefreien Produkten bedeutet. Geschafft haben es freilich nur wenige.

 

In der vierzehnten Ausgabe des Ratgebers „Grüne Elektronik” mussten Dell, Lenovo, LGE und Samsung aus diesen Gründen Punkte abgezogen werden. Den Ausstieg aus besonders gefährliche Chemikalien in ihren Produkten haben diese Firmen auf 2011 oder auf noch später verschoben.

 

„Es wird Zeit, dass die Firmen ihre Ankündigungen auch in die Tat umsetzen und auf gefährliche Chemialien verzichten“, sagt Claudia Sprinz, Konsumentensprecherin von Greenpeace. „Dass dies möglich ist zeigen Apple, Nokia und Sony Ericsson. Auch HP bemüht sich, doch das Engagement der meisten anderen Hersteller ist mangelhaft, und die Konsumenten sowie die Umwelt haben das Nachsehen.“

 

Zurzeit wird die RoHS-Richtlinie (Restriction of Hazardous Substances in electronics Directive, Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung gefährlicher Stoffe für elektronische Geräte) der EU überarbeitet, weshalb auch die Kriterien des Ratgebers „Grüne Elektronik“ entsprechend angepasst wurden. (Link zu weiterführenden Infos zur Richtlinie in englisch)

 

Von umweltbewussten Herstellen, die das Vorsorgeprinzip befürworten, erwartet Greenpeace, dass sie sich für das Verbot von PVC, BFR und von chlorierten Flammschutzmitteln (CFRs) engagieren. „Die Hersteller müssen den Gesetzesvorschlag zum Verbot von PVC und BFR in Elektronikprodukten unterstützen. Denn nur so kann ein stufenweiser und einheitlicher Ausstieg aus problematischen Chemikalien gewährleistet werden”, fordert Claudia Sprinz. „Sony Ericsson und Apple haben bereits bei den zuständigen EU-Institutionen vorgesprochen, um einen solchen Ausstieg zu unterstützen. Andere große Firmen wie HP, Dell und Acer, die sich bislang nicht dazu geäußert haben, müssen sich ebenfalls darum bemühen, dass die Gesetzesänderung im EU-Parlament angenommen wird.”

 

Nokia führt das Ranking mit 7.3 von 10 Punkten an. Sony Ericsson folgt knapp danach und ist die einzige Firma, die bei den Kriterien zu gefährlichen Chemikalien die volle Punktezahl erzielt. Toshiba erzielt diesmal zwar den dritten Platz, bei der nächsten Ausgabe kann sich das wieder schnell ändern. Das Unternehmen hat versprochen bis 1. April 2010 neue Modelle auf den Markt zu bringen, die frei von PVC und BFR sind. Gelingt dies Toshiba nicht, wird das Unternehmen Punkte verlieren. Philips steht an vierter Stelle, Apple ist von neunter auf die fünfte Stelle aufgestiegen.

 

Samsung ist vom zweiten auf den siebenten Platz gefallen, da Samsung den Ausstieg aus BFR für alle seine Produkte bis Jänner 2010 zwar versprochen, jedoch nicht eingehalten hat. Bislang sind nur einige wenige Mobiltelefonmodelle erhältlich, die frei von gefährlichen Substanzen sind, für die neuen Notebookmodelle von Samsung wurde Jänner 2011 als Deadline festgelegt, für Fernsehgeräte und Haushaltsgeräte wurde bislang kein endgültigen Zeitpunkt definiert. Nintendo dümpelt weiterhin als Schlußlicht am Ende des Rankings.

 

Bei Sony gab es einige erfreuliche Entwicklungen: Sony hat seine Treibhausgasemissionen im Zeitraum 2000 bis 2009 um 17% gesenkt und seinen weltweiten Anteil an erneuerbare Energie von 2,5% auf 8% erhöht, was eine Verbesserung der Bewertung zur Folge hatte. Positiv verzeichnet wurde auch, dass Sony 17.000 Tonnen Recyclingkunststoff für verschiedene Produkte verwendet, das waren 10% des gesamten im Finanzjahr 2008 verwendeten Kunststoffes.

 

„Das Jahr 2010 wird spannend, denn heuer sollten viele neue PCs und TV-Geräte auf den Markt kommen, die frei von gefährliche Chemikalien sind“, setzt Sprinz fort. „Sogar Firmen wie Cisco, die gar keine Produkte für Endverbraucher herstellen und daher gar nicht in diesem Ratgeber gelistet sind, haben sich zum Ausstieg aus problematischen Chemikalien verpflichtet. Für jene Unternehmen, die heuer diese wichtige Entwicklung verpassen, ist der Zug in Richtung Grüner Elektronik wohl endgültig abgefahren.“

 

Details zur den einzelnen Firmen können auf der nächsten Seite im Firmenranking nachgelesen bzw. downgeloadet werden.

 

Was zu tun ist

  • Vor Kauf eines neuen Gerätes kritisch prüfen, ob es überhaupt benötigt wird.
  • Bei der Auswahl eines neuen Produktes an diesem Ratgeber orientieren.
  • E-Mail an Hersteller: Der Hersteller deines Lieblingsproduktes schneidet in dem Ranking schlecht ab? Sende ihm ein E-Mail oder einen Brief und fordere ihn auf ökologischere Produkte herzustellen.

 

Weiterführende Informationen:

 

Quelle: Greenpeace

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Gut zu wissen

  • Elektronische Geräte enthalten oft bro­mierte Flamm­schutz­mittel, damit sie nicht schnell in Brand ge­ra­ten. Die Schadstoffe dünsten aus und können beim Menschen unter anderem zu Lern- und Ge­dächt­nis­störungen führen.
  • Viele Kabel und Drähte sind mit PVC isoliert. Beim Verbrennen von PVC entstehen Dioxine und Furane, die bereits in kleinsten Mengen extrem giftig sind.

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