Seit Anfang der 90er Jahre, vor allem in der Bekleidungs- und Sportartikelindustrie, Verhaltenskodizes eingeführt wurden, schließen sich diesem Trend immer mehr Unternehmen an. Dass Unternehmen Kodizes unterliegen bedeutet noch nicht, dass ihre Produkte zu 100% fair sind, doch wird die Einhaltung der Verhaltenskodizes durch unabhängige Überprüfungsorganisationen, wie der Fair Wear Foundation, der Ethical Trading Initiative und der Fair Labour Association, kontrolliert und geprüft. Im Jahr 2001 wurden 37 Verhaltenskodizes gezählt, die sich auf die Textil- und Bekleidungsbranche beziehen, wobei darunter neben Initiativen von Interessengruppen auch jene Kodizes fallen, die die einzelnen Unternehmen für sich aufgestellt haben.
Was sind Verhaltenskodizes?
Verhaltenskodizes (Codes of Conduct) sind schriftlich niedergelegte Richtlinien, die als Grundlage für das Verhalten transnationaler Konzerne gegenüber ihren Belegschaften, staatlichen Behörden und der Umwelt dienen sollen, und zwar dort, wo das Unternehmen Geschäftsbeziehungen unterhält. Nach der OECD wird der Begriff "Verhaltenskodex" sehr allgemein definiert als "von Unternehmen, Verbänden oder anderen juristischen Personen freiwillig eingegangene Verpflichtungen, in denen Standards und Grundsätze für die Durchführung von geschäftlichen Aktivitäten im Markt festgeschrieben sind."
Fair Wear Foundation (FWF)
1999 wurde in den Niederlanden die Fair-Wear-Foundation von Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften und NGOs (Non-Governmental Organizations) gegründet.
Die Sozialstandards, die eingehalten werden müssen sind:
- Keine Zwangsarbeit
- Keine Diskriminierung
- Keine Kinderarbeit
- Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen
- Zahlung eines Entgelts, das zum Leben ausreicht (living wages)
- Keine unzumutbaren langen Arbeitszeiten
- Ein technischer und gesunder Arbeitsplatz
- Eine rechtsverbindliche Beschäftigungsbeziehung
Es findet jährlich eine Kontrolle durch die Mitgliedsunternehmen und eine Prüfung durch die FWF statt. Des Weiteren gibt es eine Beschwerdemöglichkeit seitens der Beschäftigten.
Unternehmen in der Bekleidungsindustrie, die der FWF angehören und sich deren Verhaltenskodex unterstellt haben sind:
Ethical Trading Initiative (ETI)
Die Initiative für ethischen Handel (Ethical Trading Initiative) wurde im Jahr 1998 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Unternehmen, Gewerkschaftsorganisationen und NGOs.
Der Basiskodex enthält folgende Bestimmungen:
- Recht auf Vereinigungsfreiheit und auf kollektive Verhandlungen
- Verbot der Zwangsarbeit
- Verbot der Kinderarbeit
- Verbot der Diskriminierung
- Ein Entgelt, das für den Lebensunterhalt ausreicht (living wages)
- Arbeits- und Gesundheitsschutz
- Arbeitszeiten
- Geregelte Beschäftigungsbeziehung
- Verbot menschenunwürdiger Behandlung
Es findet eine jährliche Berichterstattung über die Umsetzung des Basiskodex statt. Die ArbeitnehmerInnen können Verstöße melden und genießen auch in anderer Weise Schutz.
Zu den Unternehmen der Bekleidungs- und Sportartikelindustrie, die der ETI angehören, zählen:
Die Mitgliedschaft von Levi Strauss & Co wurde Ende 2006 eingestellt, da das Unternehmen sich weigerte die "living wage" Bestimmung des ETI Basiskodex an zu nehmen.
Fair Labor Association (FLA)
Die Fair Labor Association wurde 1998 gegründet und besteht aus Unternehmen, Universitäten, NGOs, dem Anwaltsauschuss für Menschenrechte, dem nationalen Verbraucherverein und dem nationalen Rat der Kirchen.
Wesentliche Aspekte im Verhaltenskodex der FLA sind:
- Verbot der Zwangsarbeit
- Verbot der Kinderarbeit (wenn nach nationalen Gesetzen erlaubt, ist die Altersgrenze 14, ansonsten 15 Jahre)
- Verbot von Schikane und Missbrauch
- Verbot von Diskriminierung
- Sicherer und gesunder Arbeitsplatz
- Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen
- Mindestens Zahlung der gesetzlichen Mindestlöhne
- Arbeitszeit
- Vergütung von Überstunden
Jährlich werden Berichte veröffentlicht, in denen offengelegt wird, ob und inwieweit sich die Unternehmen an den Verhaltenskodex gehalten haben. Außerdem gibt es eine Beschwerdemöglichkeit von Seiten Dritter und ein vertraulicher Beschwerdegang.
Unternehmen der Bekleidungs- und Sportindustrie, die der FLA angehören sind:
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Quelle: Clean Clothes |