In einer kleinen Region im Nordosten Pakistans, in der Stadt Sialkot, werden vier Fünftel aller Fußbälle der Welt produziert. Das Exportgeschäft kurbelt zwar bis zu einem gewissen Grad die Wirtschaft des Landes an, es werden aber oft Kinder zur Verrichtung der Arbeiten herangezogen. Somit bietet dieses Exportgeschäft keine zukunftsträchtigen Perspektiven. Die wichtigsten Gründe für die Kinderarbeit sind die Armut der Menschen. Durch die Größe der Familien müssen deren viele Mitglieder ernährt werden. Es gibt keinerlei soziale Absicherung und viele Menschen haben zwar Arbeit, verdienen aber nicht genug, um davon leben zu können.
Der FAIRTRADE Fußball soll Eltern für das Nähen von Fußbällen höhere Einkommen sichern, damit deren Kinder nicht für das Aufkommen des Familieneinkommens mitarbeiten müssen und stattdessen die Schule besuchen können.
Soziale Standards:
Alle Bälle werden traditionell aus 32 einzelnen Waben von Hand zusammengenäht. Diese Einzelteile, die heute aus Kunststoffen bestehen, früher aus Leder, werden industriell gefertigt. Das Zusammennähen der Teile ist eine aufwändige und anstrengende Handarbeit. Sie geschieht in kleinen Werkstätten in den Dörfern der ländlichen Umgebung von Sialkot.
Im Schnitt können die Arbeiter und Arbeiterinnen pro Tag dreieinhalb Bälle nähen, pro Stück bekommen sie dafür nach einer Schätzung aus dem Jahr 1996 56 Cent. Die unverbindliche Preisempfehlung von Adidas für den Ball "Fevernova", den offiziellen Ball der Fußball-WM in Japan und Südkorea, beträgt 100 Euro. Dieser eklatante Unterschied kommt aufgrund der hohen Werbeetats der Unternehmen zustande.
Faire Bälle aus Sialkot garantieren den NäherInnen höhere Löhne, höhere Exportpreise, unabhängige Inspektionen der Arbeitsplätze sowie spezielle Zusammenschlüsse für Frauen. Ziele des FAIRTRADE Projekts sind weiters die Produktion ohne Kinderarbeit sowie die Schaffung und Erhaltung von Arbeit in den Dörfern. Die Preise sollen nach Absprache mit den Produzentenorganisationen die Produktions- sowie die Lebenshaltungskosten abdecken. Zusätzlich wird eine FAIRTRADE Prämie für Sozialprojekte ausbezahlt. Mittels eines unabhängigen Monitorings wird die Einhaltung der FAIRTRADE Kriterien überwacht. Unter Ausschluss von unnötigem Zwischenhandel werden Fußbälle in kleinen Nähzentren zusammengenäht.
Allgemeine Informationen zur Kinderarbeit:
Die ILO (Internationale Arbeitsorganisation) schätzt, dass weltweit jedes sechste Kind zwischen fünf und 17 Jahren durch die verschiedenen Formen von Kinderarbeit ausgebeutet wird. Durch mehr Informationen über dieses Problem wurde das öffentliche Bewusstsein gestärkt und finanzielle Mittel für Programme und Politansätze, um Kinder aus diesen Beschäftigungsverhältnissen zu holen, bereitgestellt. In einer ökonomischen Studie über die Kosten und den Nutzen der Beseitigung von Kinderarbeit, erstellt von der ILO, wurde das Kostenvolumen geschätzt, das bei einer Abschaffung von Kinderarbeit und einer Ermöglichung von Schulbildung für Alle bis 2020 entstehen würde. Eine Abschaffung von Kinderarbeit würde dabei eine Investition in die Zukunft der Kinder und deren Eltern bedeuten und für eine nachhaltige Zukunftssicherung stehen. Wobei in den ersten Jahren der Umstellung, die Kosten den Nutzen übersteigen würden, was sich im Laufe der Zeit dramatisch umkehren würde.
Ursprungsländer:
Auch FAIRTRADE Fußbälle stammen aus zwei Fabriken in Sialkot in Pakistan: Tramondi Sports und Talon Sports.
Tramondi Sports:
Laut Berichten von ArbeiterInnen in der Tramondi Sports Fabrik sieht der Arbeitsalltag hier anders aus als früher: Die ArbeiterInnen werden von einem Fahrdienst von zu Hause abgeholt und nach der Arbeit auch wieder nach Hause gebracht. In der Fabrik gibt es eine Apotheke mit ärztlichem Beistand für kleinere Unfälle. Bei größeren Unfällen wird der Verletzte sofort mit einem dafür bereitstehendem Kleinbus ins Hospital gebracht. Alle Kosten die dabei anfallen werden von Tramondi bezahlt.
In einer Cafeteria in der Fabrik können für die Pause sehr günstig Lebensmittel und Getränke gekauft werden. In einem eigens eingerichteten Shop können Lebensmittel für die Familie auch zu sehr günstigen Preisen gekauft werden.
Für gewerkschaftliche Aktivitäten gibt es nun auch ein Büro, das auch für andere Veranstaltungen genutzt wird.
Talon Sports:
Talon Sports ist ein relativ junges, mittelständisches, pakistanisches Unternehmen in der Sportartikelbranche von Sialkot, hat aber dennoch schon viel Erfahrung in der Fertigung und im Export von Fußbällen in FIFA-Qualität. Als Unterzeichner des "Atlanta Agreement" hat sich Talon Sports vertraglich verpflichtet, seine gesamte Fußballproduktion schrittweise nach den Kriterien für FAIRTRADE Fußbälle umzustellen, wenn es gelingt, einen ausreichenden Absatzmarkt für fair gehandelte Fußbälle aufzubauen.
Die Bälle für den fairen Handel werden in kleinen Nähbetrieben, die direkt in den Dörfern angesiedelt sind, gefertigt. In den jeweiligen Nähbetrieben arbeiten zumindest 10 offiziell registrierte NäherInnen nach den Kriterien für FAIRTRADE Bälle. Sie kommen somit in den Genuss höherer Stücklöhne, sozialer Absicherung und dörflicher Entwicklungsmaßnahmen. Für die fair gehandelten Fußbälle wird ein Mehrpreis von 1 US-Dollar pro Stück bezahlt, das entspricht einer durchschnittlichen Erhöhung des Exportpreises um ca. 25 Prozent. Davon werden ein Zuschlag auf den Stücklohn, Sozialabgaben für die NäherInnen (Kranken- und Rentenversicherung), ein Fonds für Kleinprojekte sowie ein Mehrpreis für soziale, technologische und logistische Entwicklungen innerhalb des Unternehmens finanziert.
Ökologische Standards:
Da bei der Produktion von Fußbällen nicht die herkömmlichen ökologischen Standards von FAIRTRADE zum Tragen kommen, da es sich ja um eine Fabrikproduktion und nicht um landwirtschaftliche Erzeugung handelt, werden andere Standards gesetzt. Unter anderem wird die Wasserqualität durch Minimierung von schädlichen Flüssigkeiten und weniger Ableitung von gebrauchtem Wasser gesichert. Auch die Entstehung von Abfall wird so gering wie möglich gehalten bzw. soll dieser so weit wie möglich recycelt werden.
Dia-Show: Wie ein fairer Fußball entsteht
Quelle: Fairtrade |