Design & Knüpfvorlage Am Anfang jedes Teppichs steht ein Design. Nachdem die Kunst des Teppichknüpfens erst mit den Mogulherrschern im 16. Jahrhundert nach Indien gebracht wurde, gibt es kein typisch indisches Design. Vielmehr handelt es sich zunächst um Nachknüpfungen traditionell persischer Muster. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der indische Teppich als Modedeartikel und preiswerte Alternative zu den hochwertigen Perserteppichen entdeckt und erfreut sich seither weltweit großer Beliebtheit. Dies führte auch dazu, dass die Produktpalette mit einer großen Vielfalt verschiedenster moderner Designs erweitert wurde. Die Muster egal ob traditionell oder modern werden in komplizierter Feinarbeit 1:1 händisch auf Millimeterpapier gezeichnet: die Knüpfvorlage, die den KnüpferInnen in Auftrag gegeben werden.
Bespannen der Knüpfstühle Bevor mit dem Knüpfen begonnen werden kann, ist noch der Knüpfstuhl mit den Kettfäden (aus Schafwolle, in Indien häufig auch aus Baumwolle) zu bespannen. Diese Arbeit ist mit viel Kraftanstrengung verbunden und muss gleichmäßig und präzise sein. Je nach Größe des Teppichs kann das Bespannen bis zu sechs Stunden in Anspruch nehmen.
Teppichknüpfen: Flinke Hände Wenn all diese Grundlagen (Knüpfstuhl, Muster, Wolle, Schere, Anschlagkamm,...) vorhanden sind, kann schließlich mit dem Knüpfen des Teppichs begonnen werden. Komplizierte Muster erforden viel Geschick und langjährige Erfahrung und können nur von besonders guten KnüpferInnen umgesetzt werden. Nach jeder Knotenreihe muss ein Schussfaden eingezogen und mit dem Anschlagkamm fest auf das Knüpfwerk geschlagen werden, um die Knoten zu stabilisieren. Kinder sind schon physisch nicht in der Lage, solche Teppiche herzustellen.
Finissage: Scheren der Oberfläche Nach monatelanger Arbeit wird der Teppich zum Florscheren weitergegeben, um mögliche Unebenheiten in der Teppichoberfläche zu beseitigen. Dieser Vorgang wird auch als "Clippen" bezeichnet erfolgt entweder mit großen Scheren von Hand oder auch teilmaschinell. Auch auf der Rückseite werden überstehende Fäden und Unebenheiten durch flämmen entfernt.
Teppichwäsche Danach wird der Teppich gewaschen: mit viel reinem Wasser, ev. mit Zugabe einer leichten Seifenlauge. Die nassen Teppiche werden zum Strecken auf Rahmen gespannt, damit sie ihre Form nicht verlieren. Auf diesen trocknen die bunten, wunderschön gemusterten Teppiche in der Sonne.
Fast schon im Wohnzimmer
Dann werden die Teppiche ins Zentrallager des Produzenten geliefert. Bevor der Teppich in den Handel kommt, wird er noch einer genauen Qualitätskontrolle unterzogen: Fransen werden angeknüpft und zurechtgestutzt. Jeder Teppich wird mit einer Kontrollnummer versehen, die es auch nachträglich erlauben, den Weg des Teppichs bis zur/zum KnüpferIn in ihrem/seinem Dorf zurückzuverfolgen. Nun ist der Teppich bereit für die Reise nach Europa: Zunächst zum möglichst STEP-lizenzierten Händler, und von dort vielleicht schon bald direkt in dein Wohnzimmer!
Quelle: Label STEP |