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Notruf! Ausbeutung in der Handyindustrie

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7.05.2012
Schockierende Bedingungen in indischen Fabriken

Unterkunft von Foxconn-ArbeiterInnen

Unterkunft von Foxconn-ArbeiterInnen

1,8 Milliarden Handys wurden im vergangenen Jahr weltweit verkauft, über drei Millionen davon allein in Österreich. Für viele ist das Mobiltelefon zum unverzichtbaren Begleiter geworden. Auch für viele Menschen in Indien ist das so - ebenso unverzichtbar ist für sie aber jeder Cent ihres Hungerlohns, den sie in der Handyproduktion verdienen: meist ist das nicht einmal 1% des Verkaufspreises.

Der Preis für unsere Handys

 

Im März waren zwei Mitarbeiterinnen von Südwind vor Ort in Südindien und erfuhren den krassen Widerspruch zwischen den schicken Produkten und den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen in Indien, die unsere Handys herstellen: Über 20.000 ArbeiterInnen schuften tagtäglich am Fließband für den europäischen Markt: zum Beispiel für Nokia und seine Zulieferbetriebe Foxconn und Wintek in einer 2006 gegründeten Sonderwirtschaftszone nahe dem südindischen Chennai.

 

Unmenschliche Arbeitsbedingungen

 

Die meisten, die dort arbeiten, kommen von weit her, haben mindestens 12 Jahre Schulausbildung hinter sich und die Verantwortung, mit ihrem Lohn auch ihre Eltern und Geschwister daheim finanziell zu erhalten:
Dafür müssen ca. 100 Euro Lohn pro Monat reichen. Um über die Runden zu kommen, teilen sich jeweils fünf bis zehn ArbeiterInnen ein einziges, winziges Zimmer, meist ohne Fließwasser und mit Toiletten am Gang.

Auch beim Essen wird gespart: „Für mich reicht das Essen in der Fabrik, für andere aber nicht. Manche Leute fallen sogar in Ohnmacht weil sie so hungrig sind. Das Management schickt sie dann in den Erste-Hilfe-Raum“, berichtete ein Foxconn-Arbeiter dem Südwind-Team. Jede Woche müssen die Menschen eine andere von zwei oder drei achtstündigen Schichten übernehmen. Nach diesem Muster wird auch geschlafen - abwechselnd, am Boden auf Strohmatten.

Unternehmen profitieren von "Sonderwirtschaftszonen"

 

Während die Menschen mit dem Alltagsleben kämpfen, genießen die Unternehmen in der Sonderwirtschaftszone viele Privilegien: Im Gegensatz zu den Privathaushalten zahlen sie günstigste Preise für Wasser und Strom. Sie erhalten jahrelang Steuerfreiheit, und die Pacht für die mehrere hundert Quadratkilometer große Sonderwirtschaftszone beträgt eine Rupie im Jahr. Das Arbeitsrecht in der Sonderwirtschaftszone wird „konzernfreundlich“ ausgelegt, bei Streiks werden mitunter alle beteiligten ArbeiterInnen gekündigt. Gewerkschaftliche Organisierung wird durch das Management unterbunden oder stark behindert.

 

Nachfrage der KonsumentInnen ungebrochen


In Österreich scheint der Handyboom und der Bedarf nach immer neuen Telefonen ungebrochen. Die Anzahl der SIM-Karten stieg im Vorjahr um 5 % auf fast 13 Mio. Stück – jede/ jeder ÖsterreicherIn hat also im Schnitt 1,5 Handys. Schon für Kinder und Jugendliche ist das Handy ein ständiger Begleiter. Unter den 13- bis 14-Jährigen nutzen schon rund 80 Prozent Vertragshandys: Weil sie viel telefonieren und im Internet surfen, sind Jungendliche besonders gefährdet, sich mit hohen Smartphone-Rechnungen zu verschulden. Für die Wirtschaft sind sie eine stabile und ständig an Neuerungen interessierte VerbraucherInnengruppe, die sich, weil mit dem Handy aufgewachsen, ein Leben ohne Smart-Phone meist nicht mehr vorstellen kann.

 

Nicht im Angebot: faire Handys


„Unter den vielen unterschiedlichen Modellen am Markt fehlt vor allem eines – nämlich ein fair produziertes. Kein Hersteller hat so ein Handy im Sortiment“, kritisiert Nora Holzmann von Südwind.

Südwind ruft die Unternehmen via Email-Protest auf, ihre smarte Ausbeutung zu stoppen, und neben einem guten Preis und Qualität auch die Erfüllung sozialer Standards in der Produktion zu achten und die Arbeitsbedingungen in der Handyindustrie zu verbessern.


Link-Tipp:

 

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Quelle: Südwind

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