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Räuchertofu-Check 2011

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28.05.2011
Schlechte Überraschung bei Räuchertofu

Räucher-Tofu im Check

marktcheck.at hat Räuchertofu unter die Lupe genommen. Obwohl es sich fast ausschließlich um Bioprodukte handelt, schneidet kein Produkt mit „Hervorragend“ ab. Hauptursache ist die fehlende Kontrolle auf bei der Räucherung von Lebensmitteln entstehende schädliche Stoffe, für die es bei Räuchertofu noch keine gesetzlichen Höchstgrenzen gibt. Greenpeace fordert von Gesundheitsminister Alois Stöger, die sofortige Untersuchung der betroffenen Produkte zu veranlassen.

 

  • Produktliste Räuchertofu (inkl. Bilder)
  • Warum wir solche Untersuchungen machen sowie weitere häufige Fragen

 

Mehr Auswahl pflanzlicher Produkte
In den letzten Jahren sind Angebot und Nachfrage an pflanzlichen Produkten deutlich gestiegen. Ob aufgrund von geschmacklicher Bereicherung, ob aus Gesundheitsgründen oder ob aus ethischen Gründen - immer mehr Menschen entdecken die Vorteile pflanzlicher Lebensmittel. Auch aus ökologischer Sicht schneiden pflanzliche Lebensmittel sehr gut, da sie meistens eine deutlich niedrigeren ökologischen Fußabdruck als tierische Lebensmittel haben. Eines der beliebtesten Produkte ist Räuchertofu, der mittlerweile in fast jedem Supermarkt zu finden ist.

 

Alle Produkte gentechnikfrei
Die erfreuliche Nachricht: Von 14 Räuchertofu sind 13 aus biologischer Landwirtschaft. Bei Bioprodukten ist der Einsatz von gentechnisch veränderten Substanzen verboten. Das einzige konventionelle Produkt trägt das Gentechnikfrei-Siegel. Somit stammen alle Produkte garantiert von gentechnikfreien Sojabohnen.

 

Wermutstropfen Räuchern
Räuchern ist eine der ältesten Traditionen zur Konservierung von Lebensmitteln. Beim Räuchern entstehen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) wie Benzo(a)pyren, die krebserregend sind.
Die Bildung von PAK ist von einer Vielzahl an Einflussgrößen abhängig: Feuerungsmaterial, Räuchermethode, Abstand und Lage der Lebensmittel von der Hitzequelle, Fettgehalt der Lebensmittel und was damit während der Räucherung passiert, Dauer und Temperatur des Räucherprozesses, Sauberkeit und Beschaffenheit der Räucherkammer/des Räuchergeräts.

 

Leitlinie zur Reduktion von PAK
Im Codex Alimentarius, einer Sammlung von Normen von FAO und WHO für die Lebensmittelsicherheit, gibt es einen Leitfaden zur Reduktion der Belastung von geräucherten Lebensmitteln mit PAK. Die Leitlinie gibt konkrete Hinweise, wie durch entsprechende Maßnahmen der PAK-Gehalt möglichst reduziert werden kann, etwa durch die Vermeidung von harzhältigen Hölzern als Feuerungsmaterial, durch indirektes Räuchern, durch die Verwendung von sehr trockenem Holz, durch Filtern des Rauches, etc.

 

Keine gesetzlichen Höchstgrenzen für Räuchertofu
Im Jahr 2006 wurde in der EU eine Verordnung erlassen, welche den Höchstgehalt an polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) wie Benzo(a)pyren regelt. Für folgende geräucherte Lebensmittel wurden gesetzliche Höchstgrenzen für Benzo(a)pyren festgelegt: Muscheln (10 Mikrogramm/kg), Fleisch, Fleischerzeugnisse, Fisch und Krebstiere (5 Mikrogramm/kg), Öle und Fette (2 Mikrogramm/kg) und Babynahrung (1 Mikrogramm/kg). Eine gesonderte Regelung für PAK in Bioprodukten gibt es nicht. Für andere geräucherte Lebensmittel – und darunter fällt geräucherter Käse ebenso wie Räuchertofu – fehlen bislang gesetzliche Höchstgrenzen.

 

Hersteller sollten ihre Produkte prüfen
Unternehmen sollten bemüht sein, die PAK-Belastung ihrer Produkte möglichst niedrig zu halten. Auch wenn es bislang keine gesetzlichen Höchstgrenzen gibt, sollte ein verantwortungsvolles Unternehmen intern eigene Standards festlegen (etwa indem man sich an den Höchstgrenzen anderer Lebensmittel orientiert) und seine Produkte regelmäßig darauf überprüft. Optimal wäre, wenn die Überprüfung der Produkte durch ein unabhängiges Institut durchgeführt und schriftlich (z. B. durch ein Zertifikat) bestätigt wird.

 

Verantwortung fehlt
Das marktcheck.at Team hat die Räuchertofuhersteller zur Bekanntgabe von Details ihrer Tofu-Räucherung sowie zur Prüfung des Produktes auf PAK und Bekanntgabe interner Höchstgrenzwerte ersucht. Die meisten Unternehmen gaben zwar Informationen zur Räuchermethode bekannt, interne Höchstgrenzen und deren Überprüfungen sind entweder nicht vorhanden oder wurden Greenpeace nicht mitgeteilt.

 

Gesundheitliche Belastung unbekannt
Aufgrund der fehlenden Informationen kann keine endgültige Aussage getroffen werden, ob die Produkte gesundheitsschädliche PAK enthalten oder nicht. Daher mussten vorerst alle Produkte bei den deklarierten Inhaltsstoffen um eine Stufe abgewertet und mit einem entsprechenden Warnhinweis versehen werden. Greenpeace fordert von den Herstellern die sofortige Untersuchung ihrer Produkte

 

Hersteller und Gesundheitsminster müssen aktiv werden

Greenpeace fordert von den Räuchertofuherstellern, ihre Produke sofort auf schädliche PAK überprüfen zu lassen und - falls diesen den Höchstgehalt vergleichbarer Lebensmittel überschreiten - ihre Produktionsanlagen so anzupassen, dass die Gesundheit der KonsumenInnen beim Verzehr dieser Produkte nicht gefährdet wird.

Unabhängig von den Aktivitäten der Hersteller muss Gesundheitsminister Alois Stöger die Östereichische Agentur für Ernährungssicherheit mit der Untersuchung geräucherter Lebensmitteln auf PAK beauftragen, die Gesetzeslücke zu schließen, indem Höchstgehalte für PAK für andere geräucherte Lebensmittel festgelegt werden und sich innerhalb der EU für die gesetzliche Verankerung von Höchstgrenzen für andere geräucherte Produkte einzusetzen.

 

Offene Fragen bei Herkunft
Greenpeace hat die Hersteller ersucht, detaillierte Informationen zum Produktionsland und zur Herkunft der Sojabohnen zur Verfügung zu stellen. Am besten schneiden bei diesem Kriterium Räuchertofu ab, deren Sojabohnen aus Österreich stammen und die in Österreich hergestellt wurden. Am schlechtesten mussten jene Produkte bewertet werden, deren Hersteller keine Informationen zur Verfügung gestellt haben, was eine Abwertung bei Transport zur Folge hatte. Diese Produkte könnten theoretisch auch mit Sojabohnen aus Japan hergestellt worden sein.

 

Verdacht auf Palmöl
Einige Räuchertofu enthalten pflanzliches Öl. Es besteht der Verdacht, dass Palmöl eingesetzt wird, das von Greenpeace kritisch eingestuft wird, weil es aus Regionen stammt, die durch Urwaldabholzung belastet sind. Nachdem andere Hersteller ihren Räuchertofu ohne pflanzliches Fett herstellen oder Palmöl leicht durch andere pflanzliche Fette ersetzt werden kann, wurden diese Produkte bei „deklarierten Inhaltsstoffen“ um eine Stufe abgewertet. Nachdem es bereits eine Abwertung durch die fehlenden Kontrollen auf PAK gibt, schneiden manche Produkte nun mit Orange/„Kritisch“ ab.

 

Was jede/r tun kann
Es ist nicht einzusehen, dass aufgrund von Unkenntnis oder Schludrigkeit der Hersteller Räuchertofu im Handel erhältlich ist, der möglicherweise gesundheitsschädliche Substanzen enthält.

Kontaktiere den Hersteller deiner Lieblingsräuchertofuprodukte und fordere ihn auf, seine Produkte auf PAK zu untersuchen und, im Falle von Überschreitungen der Höchstgrenzen für vergleichbare Lebensmittel, seine Produktionsanlage anzupassen, sodass keine gesundheitliche Gefährdung für KonsumentInnen gegeben ist.

 

Weiterlesen:

  • Produktliste Räuchertofu (inkl. Bilder)
  • Warum wir solche Untersuchungen machen sowie weitere häufige Fragen

 

Quelle: Greenpeace

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