Heute hat die Umweltorganisation Greenpeace die bereits fünfzehnte Ausgabe ihres Ratgebers "Grüne Elektronik" veröffentlicht:
Punkteabzug für Elektronikriesen
In der fünfzehnten Ausgabe des Greenpeace Ratgebers „Grüne Elektronik“ haben Dell, Samsung und Toshiba Abzugspunkte kassiert, da sie ihre selbst festgelegten Zeitpläne zur Entfernung von Polyvinylchlorid (PVC) und bromierten Flammschutzmitteln (BFRs) aus ihren Produkten zurück gezogen haben.
Fortschritte bei Apple und HP
Die schwache Leistung dieser Firmen steht im Gegensatz zu den Bemühungen ihrer Mitbewerber Apple und HP, die echte Fortschritte machen und ihren Kunden eine Reihe an umweltfreundlicheren Elektronikprodukten anbieten.
Japanische Firmen stark zurück gefallen
Der aktuelle Ratgeber wurde heute bei einer Pressekonferenz in Japan präsentiert, nachdem der frühere Spitzenreiter Toshiba von dritter auf die vierzehnte Stelle und Samsung von siebenter auf dreizehnte Stelle fiel. Samsung kassierte Abzugspunkte, weil das Unternehmen seine Verpflichtung nicht einhielt, PVC und BFRs aus seiner Lieferkette zu entfernen.
Besonders problematische Stoffe...
PVC und BFRs sind hochgiftige Substanzen. Bei der Verbrennung kann Dioxin entstehen, ein bekannter krebserregender Stoff. Diese Substanzen sind häufig in Elektronikschrott enthalten - jenem Abfallsegement, das weltweit am schnellsten anwächst.
... gelangen in Entwicklungsländer ...
Sehr oft wird Elektronikschrott, als Altgeräte getarnt, in Entwicklungsländer in Afrika oder Asien exportiert. Um an wertvollen Rohstoffe wie Metalle zu gelangen werden die Geräte vor Ort zerlegt. Darunter befinden sich viele Kinder. Manche Teile werden verbrannt und die Menschen atmen die giftigen Dämpfe ein. Niemand dort verfügt über die nötige Schutzbekleidung. Auch über die gesundheitliche Gefährdung durch diese Substanzen gibt es keine Informationen.
... und wieder zu uns zurück
Die gefährlichen Substanzen gelangen über die Böden ins Grundwasser und werden über die Flüsse ins Meer geleitet. Dort gelangen sie in die Nahrungskette von Fischen und reichern sich in diesen an. Solcher Fisch landet immer häufiger auch auf unseren Tellern. Untersuchungen zeigen, dass immer mehr Fischprodukte mit gefährlichen Substanzen belastet sind.
Vorteile der Entfernung von PVC und BFR
Ein Ausstieg aus gefährlichen Substanzen würde die Belastung der Arbeiter und Arbeiterinnen vor Ort reduzieren. Zusätzlich würde es die Recyclingfähigkeit und Wiederverwendbarkeit von Elektronikprodukten erhöhen.
Am Beispiel der Mitbewerber orientieren
„Die großen Elektronikfirmen können nicht von sich behaupten umweltfreundliche Produkte herzustellen, solange sie nicht ihre eigenen Versprechen einhalten und Substanzen beseitigen, die schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt haben“, sagt Greenpeace Sprecherin Claudia Sprinz. „Firmen, die immer noch PVC und BFRs verwenden, müssen dem Beispiel von Apple und HP folgen, denn selbst die indischen Hersteller HCL und Wipro ersetzen schrittweise gefährliche Substanzen durch harmlose.”
Höheres Engagement Andererseits enthält der Ratgeber aber auch Vorzeigeunternehmen innerhalb der Elektronikbranche, die einen Schritt weiter gehen als ihre Mitbewerber. Sie machen ihren Einfluss geltend, um gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die künftig die Verwendung besonders gefährlicher Substanzen in Elektronik beschränken soll, und zwar die Überarbeitung der RoHS Richtlinie.
Gesetz erforderlich
Diese RoHS Richtlinie beschränkt innerhalb der EU gefährlichen Chemikalien wie Blei oder Cadmium in Elektronikprodukten. Durch die geplante Überarbeitung könnten zukünftig auch Polyvinylchlorid (PVC), chlorierte Flammschutzmittel (CFRs) und bromierte Flammschutzmittel (BFRs) enthalten sein. „Verschiedene Unternehmen haben verstanden, dass zur völligen Beseitigung gefährlicher Substanzen gesetzliche Rahmenbedingungen erforderlich sind. Es ist erfreulich, dass einige Elektronikfirmen diese Entwicklung mit großem Einsatz voran treiben”, so Sprinz.
Aufsteiger und ...
Die Aufsteiger in dieser fünfzehnten Ausgabe des Ratgebers sind Panansonic (vom zehnten auf den sechsten Platz), Sony (vom siebenten auf den sechsten, gemeinsam mit Panasonic), HP (vom elften auf den achten) und Sharp (vom dreizehnten Platz auf den neunten).
... weitere Absteiger Neben den zuvor genannten Firmen fällt auch LGE von sechster auf die zwölfte Stelle, weil LGE Punkte für den schlechten Bericht betreffend der Energieeffizienz seiner Produkte verliert. Der Bericht von LG zu den neuesten Energy Star Kritierien (Produktkennzeichnung energiesparender Geräte) wurde von Greenpeace nicht anerkannt. Beim Bericht von LGE wurde zwei Mal von Kontrollbehörden kritisiert, weil die Energieeffizienz-Kriterien zum Vorteil von LGE manipuliert wurden.
Umweltfreundliche Elektronik für alle
„Einige Firmen konnten Fortschritte in Richtung einer umweltfreundlicheren Zukunft für Elektronik machen. Diese Unternehmen haben nicht nur Zusagen gemacht, dass innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens besonders gefährliche Chemikalien entfernt werden, sondern hielten diese Zusagen auch ein. Nun müssen alle Firmen diesen Beispielen folgen und dies als Standard innerhalb der Elektronikindustrie setzen, sodass auch auf dem Massenmarkt Produkte angeboten werden, die ohne PVC und BFR auskommen“, fordert Sprinz abschließend.
Details zur den einzelnen Firmen können auf der nächsten Seite im Firmenranking nachgelesen bzw. downgeloadet werden.
Was zu tun ist
- Vor Kauf eines neuen Gerätes kritisch prüfen, ob es überhaupt benötigt wird.
- Bei der Auswahl eines neuen Produktes an diesem Ratgeber orientieren.
- E-Mail an Hersteller: Der Hersteller des Lieblingsproduktes schneidet in dem Ranking schlecht ab? Jetzt ein E-Mail oder einen Brief senden und ihn dazu auffordern, ökologischere Produkte herzustellen.
Weiterführende Informationen:
Quelle: Greenpeace |