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Keine Wahlfreiheit bei Getränken

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25.05.2010
Keine Wahlfreiheit bei Getränken

Mehrwegflasche

Kaum umweltfreundlichen Mehrwegflaschen im Handel

Eine aktuelle Untersuchung von marktcheck.at mit Unterstützung österreichischer KonsumentInnen zeigt, dass in heimischen Supermärkten keine oder nur wenige Mehrwegflaschen einem riesigem Angebot an Einweg gegenüber stehen.

 

Kritik bereits im Vorjahr 

Greenpeace hat bereits im Juni 2009 kritisiert, dass umweltfreundliche Mehrwegflaschen immer mehr vom Markt verschwinden. Im Oktober wurde daher die Initiative „Ich will Mehrweg“ gestartet.

 

Umweltminister äußert sich

Umweltminister DI Niki Berlakovich nahm am 22. April 2010 in einer Presseaussendung zum Thema Mehrweg wie folgt Stellung: “Beim Thema Mehrweg sprach sich der Minister für Wahlfreiheit aus. Die Bürgerinnen und Bürger hätten sich bei Umfragen zwar dafür entschieden, dass sie Mehrweg kaufen wollen, in der Praxis entscheiden diese aber gegen das Mehrwegsystem.“

 

Gemeinsame Erhebung mit KonsumentInnen

Doch wie sieht die vom Minister erwähnte Praxis aus? Haben die Supermärkte die Kritik von Greenpeace und besorgten Konsumentinnen ernst genommen? Bieten Sie eine gute Auswahl an Getränken in Mehrweg? Das wollte das marktcheck.at Team wissen und hat die MarktaktivistInnen, also die AbonnentInnen des marktcheck.at Newsletters, um Mithilfe gebeten.

 

Mikrige Bilanz

Die Mehrzahl der Supermärkte in Österreich folgt nicht der Kritik von Greenpeace, auch nicht den Wünschen der KonsumentInnen und schon gar nicht der Empfehlung des Ministers:

  • Hofer, Penny und Lidl haben noch nie Getränke in Mehrwegflaschen verkauft und auch jetzt sind solche Getränke dort nicht erhältlich.
  • In den meisten anderen größeren österreichischen Supermarktketten gibt es nur bei Bier eine mäßige bis gute Auswahl an Getränken in Mehrwegflaschen. Nicht jedoch bei Mineralwasser, Limonade oder Fruchtsäften: Entweder ist gar keine Mehrwegflasche vorhanden oder es werden nur wenige Einzelprodukte angeboten. Von Auswahl kann also bei solchen Getränken nicht gesprochen werden.
  • Egal ob Diskonter oder Supermarkt gibt es überall ein riesiges Angebot an Getränken in Einweg.

 

Mehrweg kaum zu erkennen

Zusätzliche Erschwernis stellt die schlechte Kennzeichnung dar. Greenpeace erhielt Beschwerden der recherchierenden KonsumentInnen, die kritisierten, dass Einweg- und Mehrweg dicht an dicht in den Regalen stehen und man fast eine Lupe bräuchte um zu erkennen was Einweg und was Mehrweg ist.

Mehrweg-Kennzeichnung nur schwer erkennbar

Mehrwegflaschen sind häufig nur schlecht erkennbar.

Vöslauer falsche gekennzeichnet

In einigen Märkten wurde auch eine Falschkennzeichnung der Vöslauer Mineralwasser 1 Liter-Pfandflasche geortet: Bei dieser Flasche handelt es sich um kein Mehrwegprodukt, sondern nur um ein Zweiweg-Produkt, das nicht wiederbefüllt wird.

Die alten, nur ein Mail verwendeten Flaschen, werden zerkleinert und daraus wird Kunststoffgranulat erzeugt. Um daraus eine neue Flasche zu produzieren muss Vöslauer mindesten 50% neues Material hinzufügen. Diese Flaschen können aus ökologischer Sicht nicht mit Mehrweg mithalten, weil sie deutlich mehr Energie und Rohstoffe benötigt wie eine vergleichbare Mehrweg-Kunststofflasche, die bis zu 20 Mal wiederbefüllt werden kann.

Falsch gekennzeichnete Vöslauer 1-Liter-Flasche

Als Mehrweg falsch gekennzeichnet, obwohl sie es nicht ist: Die Vöslauer 1-Liter-Flasche.

Alternativen vorhanden

Die Untersuchung hat jedoch auch positive Beispiele gezeigt. Durch die Recherchen der MarktaktivistInnen wurden auch erstmals kleine regionale Anbieter aufgenommen. Einige bieten eine große Auswahl an Mehrwegflaschen in allen Getränkekategorien, wie einige Biomärkte oder ein Online Shop in Wien.

 

Mehrweg vernachlässigt

Mehrwegflaschen haben viele ökologische, aber auch ökonomische Vorteile. Doch die meisten größeren Handelsbetriebe ignorieren diese Vorteile bereits seit Jahren, bieten keine attraktive Auswahl an derartigen Getränken, im Gegenteil. Wer greift chon zu schlecht platzierten, schlecht gekennzeichneten, Produkten, für die kaum Werbung gemacht wird? 

 

Werbe-1x1

Jeder, der sich nur ein wenig mit Kommunikation oder Werbung beschäftigt weiß, dass man Inhalte immer wieder erwähnt werden müssen, auch wenn sie bereits verstanden wurden. Denn warum sonst schalten Markenartikelhersteller, deren Produkte eine sehr hohe Bekanntheit haben, immer noch Werbung? Ganz einfach: Um nicht in Vergessenheit zu geraten. Aber das scheint nicht bei Mehrweg erforderlich zu sein. Der Handel gibt jährlich Millionen Euro für Werbung aus, doch die vielen Vorteile von Mehrweg wurden schon seit Jahren bei einer solchen Werbung nicht mehr in Erinnerung gerufen.

 

Die "Schuld" der KonsumentInnen

Supermärkte reden sich gerne auf die KonsumentInnen aus. Gemäß dem Handel wollen KonsumentInnen Mehrweg nicht, sondern bevorzugen Einweg. Man muss kein Kommunikationsprofi zu sein um zu erkennen, dass

  • unattraktive Platzierung
  • schlechte Kennzeichnung
  • keine Werbung

langfristige dazu führt, dass Produkte immer seltener nachgefragt werden. Wenn dann die "Mitbewerberprodukte", also Getränke in Einweggebinden, zu Dumpingpreisen abverkauften werden bleibt vielen Familien mit niedrigem Einkommen gar keine andere Wahl als zu Einwegprodukten zu greifen.

 

Profite auf Kosten der Umwelt

Vom Einwegflaschen-Boom profitiert einerseits der Handel, weil Mehrweg einen höheren Personalaufwand erfordert, und andererseits die Verpackungsindustrie, die natürlich an umweltfreundlichen, klimaschonenden, ressourcen- und energiesparenden Mehrwegflaschen nichts verdient. Daher werden hinter den Kulissen Fäden gezogen und beträchtlich in politisches Lobbying investiert.

 

Regionale Hersteller bedroht

Doch der Boom bei den Einwegflaschen hat nicht nur Umwelt und KonsumentInnen als Verlierer, sondern auch kleine und mittlere regionale Getränkehersteller, die von Großproduzenten verdrängt werden. Wer Mehrweg kauft unterstützt daher auch die regionalen Getränkehersteller. 

 

Verbindliche Regelung notwendig

„Unsere Überprüfung zeigt, dass die freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft in eine Sackgasse geführt hat. Umweltminister Berlakovich muss die Fehler seiner Vorgänger umgehend beheben und die anstehende Novelle des Abfallwirtschaftsgesetzes dazu nutzen eine verbindliche gesetzliche Regelung für Mehrweg festlegen, denn wie man sieht ist die Wirtschaft alleine nicht dazu in der Lage“ fordert Greenpeace Konsumentensprecherin Claudia Sprinz. 

 

Was jede/r tun kann

 

Quelle: Greenpeace

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