Trotz Ablehnung der Weltgesundheits-Organisation (WHO), der Arzneimittelbehörde der EU (EMEA) und der Bevölkerung, winkt die EU Kommission den gentechnisch veränderten Industrie-Erdapfel "Amflora" heute durch.
Erst eine Woche im Amt ...
„Der neue Gesundheits- und KonsumentInnen-Kommissar John Dalli setzt den Pro-Gentechkurs in der EU nahtlos fort. Gegen den Willen der europäischen Bevölkerung und entgegen aller wissenschaflichen Warnungen, will uns die Kommission mit den Gentech-Pflanzen zwangsbeglücken“, empört sich Jens Karg, Sprecher der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000.
Kein Veto des österreichischen Kommissars
Entsetzt sind die Umweltschützer darüber, dass der österreichische Kommissar Johannes Hahn, die heutige Entscheidung hätte verhindern können, aber tatenlos blieb. „Es ist schon ein starkes Stück, dass unser Kommissar, kaum dass er in Brüssel weilt, die Interessen der Österreicherinnen und Österreicher vergessen hat“, so Karg.
Kniefall vor der Biotech-Lobby?
Der Erdapfel „Amflora“ist vornehmlich zur Stärkeproduktion entwickelt worden, Verunreinigungen bei Speisekartoffeln können jedoch nicht ausgeschlossen werden. Deshalb schafft die gentechfreundliche EU-Kommission eine „Lex-BASF“. Zwar wird die Gentech-Knolle nicht als Lebens- oder Futtermittel zugelassen, doch wird, um den deutschen Chemie-Riesen vor Haftungsansprüchen und Rückrufaktionen zu bewahren, eine Verschmutzung in der Lebensmittelkette von bis zu 0,9 Prozent toleriert.
Problematische Antibiotikum-Resistenz
Der Gentech-Erdapfel „Amflora“ enthält ein Resistenzgen für ein Antibiotikum, das auch medizinisch genutzt wird. Nach den derzeit gültigen EU-Richtlinien sollen jedoch keine Resistenzgene für medizinisch relevante Antibiotika in Gentech-Pflanzen genutzt werden.
Sogar zwei Wissenschaftler der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stellen in der Risikobewertung fest, dass der Transfer zwar "unwahrscheinlich"sei, sollte er aber doch stattfinden, wären die Folgen "bislang unabsehbar".
Forderungen von Global 2000
„Bundesminister Stöger muss zumindest für Österreich die Notbremse ziehen und umgehend ein nationales Anbauverbot erlassen“, fordert Jens Karg und meint abschließend: „Was hier stattfindet ist reiner Interessensvertretung zu Gunsten der Biotech-Industrie. Es gibt Kartoffel-Alternativen mit den gleichen gewünschten Stärkeeigenschaften ohne Risiko, z.B. die klassisch gezüchtete Kartoffel der Emsland Group und der EUROPLANT.“
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Quelle: Global 2000 |