Tunfischkommission ICCAT übergibt sich selbst der Belanglosigkeit
Greenpeace bezeichnet das Ergebnis der Internationalen Kommission für die Erhaltung der Tunfischbestände im Atlantik (ICCAT), die nun eine Woche lang über den Schutz des Roten Tuns im Mittelmeer verhandelte, als beschämend und katastrophal. Der Greenpeace-Kritik zufolge hat die ICCAT als internationales Gremium, das für das Fischerei-Management zuständig ist, klar versagt.
"Die ICCAT hat ihre letzte Chance verpasst, den Tunfisch im Mittelmeer zu retten", kommentiert Greenpeace-Meeresexpertin Antje Helms das desaströse Konferenzergebnis. "Der Rote Tun ist zu einer aussterbenden Art geworden, weil die zuständigen Fischereiminister und Regierungen ihre Verantwortung an die Profit-Interessen der Fischerei-Industrie verkauft haben", kritisiert Helms. "Dieses Ergebnis zeigt deutlich, dass die Europäische Union keine nachhaltige Verwaltung unserer Fischbestände zu gewährleisten imstande ist", so Helms.
Für das kommende Jahr einigte man sich letztlich auf eine Fangquote von 27.500 Tonnen die Empfehlungen der ICCAT-Experten lagen allerdings bei nur 15.000 Tonnen. Und für 2010 wurde eine Fangquote von 25.500 Tonnen zugelassen. Der neue Management-Plan der ICCAT versagt vor Allem beim Schutz des laichenden Fischbestandes und sieht eine Verkürzung der Fangsaison um nur zehn Tage vor. Striktere Maßnahmen wie etwa das von Greenpeace geforderte Fischereiverbot während der Laichzeit und die Einrichtung von Schutzgebieten in den Laichgründen wurden abgelehnt. Die USA, Brasilien, Kanada, Mexiko, Norwegen und Südafrika waren selbst gemeinsam nicht in der Lage, dem Druck der EU Stand zu halten - die sich strikt weigerte, schärfere Schutzmaßnahmen zuzulassen, die den Mittelmeer-Tunfisch jedoch vor dem endgültigen Kollaps gerettet hätten.
Für kaum eine Fischerei ist die dramatische Lage wissenschaftlich derart exakt belegt wie für den Roten Tun im Ostatlantik und im Mittelmeer. Im Jahr 2007 lag die offizielle Fangquote bei 28.500 Tonnen, doch die Menge der illegalen Fänge wurden von den Experten der ICCAT auf 61.000 Tonnen geschätzt. Verantwortlich dafür waren vor Allem Fangflotten aus Frankreich, Italien und Spanien.
"Die letzte Woche in Marrakesch hat gezeigt, dass ICCAT endgültig zur Farce verkommen ist", zeigt sich Greenpeace-Sprecher Sebastian Losada aus Spanien von der Konferenz enttäuscht. "Mich haben diese Verhandlungen vielmehr an einen Bazar als eine hochrangige Staatsangelegenheit erinnert. Und am Ende hat man eine der beeindruckendsten Fischarten des Mittelmeeres zum Aussterben verdammt", resümiert Losada.
Durch das Versagen der Tunfischkommission sind nun die anderen internationale Foren aufgefordert, dieses Vakuum zu füllen: Dazu zählen das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES), das für gefährdete Arten internationale Handelsbeschränkungen erlassen kann. Auch der Handel selbst ist zu ermutigen, den Verkauf von Rotem Tun - der in Sushi-Restaurants auch als Blauflossen-Tun verkauft wird -, aus eigenem Antrieb zu beenden.
Quelle: Greenpeace |