Zwanzig Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace protestierten heute Vormittag vor der japanischen Botschaft in Wien gegen die Inhaftierung der beiden Walschützer Junichi Sato und Toru Suzuki.
Die beiden japanischen Greenpeace-Mitarbeiter hatten im Mai des Jahres einen weit reichenden illegalen Handel mit Walfleisch innerhalb der "wissenschaftlichen Walfangflotte" Japans aufgedeckt.
Anstatt jedoch die tatsächlichen Täter zu verfolgen, wurden am 20. Juni die beiden Greenpeace-Aktivisten festgenommen. Die Kundgebung in Wien ist nun Teil einer weltweiten Protestwelle von Greenpeace. "Unsere Kollegen haben sich stets kooperativ gegenüber der Staatsanwaltschaft verhalten und tun das noch immer. Sie plötzlich zu verhaften, ist eine völlig unverständliche Reaktion der japanischen Behörden, die offenbar politisch motiviert ist. Wir fordern Gerechtigkeit für unsere Kollegen und richten einen Appell an den japanischen Botschafter in Wien, Herrn Akio Tanaka, sich dafür entsprechend zu engagieren", appelliert Greenpeace-Sprecher Philipp Strohm.
Im Mai dieses Jahres hatten die Greenpeace-Aktivisten eine viermonatige Recherche mit einem skandalösen Ergebnis zum Abschluss gebracht: Innerhalb der japanischen Walfangflotte, die unter dem Deckmantel der Wissenschaft auf die Jagd geht, deckten sie einen illegal mit Walfleisch operierenden Händlerring auf. Crew-Mitglieder der "Nisshin Maru", dem Schiff, auf dem die Meeressäuger zerlegt und in Boxen verpackt werden, zweigten die besten Stücke ab, um sie später an private Händler zu verkaufen.
Greenpeace gelang es, eine dieser Boxen sicherzustellen, die als privates Gepäck deklariert war. Beim Öffnen der Kiste stellte sich heraus, dass sie 23,5 Kilogramm vom besten Walfleisch mit einem geschätzten Marktwert von bis zu dreitausend US-Dollar enthielt. Insgesamt wurden mindestens 93 Kartons dieses "privaten Gepäcks" von zumindest 23 Crew-Mitgliedern verschickt. Die sichergestellte Box wurde von den Aktivisten sofort an die zuständige Staatsanwaltschaft übergeben. Diese nahm vorübergehend Ermittlungen auf, verhaftete dann aber überraschenderweise die beiden Greenpeace-Aktivisten.
Die Aussagen eines ehemaligen Crew-Mitglieds erhärten den von Greenpeace gehegten Verdacht, dass der illegale Handel schon länger getätigt wird, und nicht nur die Betreiber der Walfangflotte, sondern auch die Behörden in diesen Skandal involviert sind. "Anstatt diejenigen einzusperren, die sich für den Erhalt der stark dezimierten Walbestände einsetzen und Korruptionsskandale aufdecken, sollte die japanische Polizei vielmehr Ermittlungen gegen die Betreiber der Fangflotte und die verantwortlichen Behörden aufnehmen", fordert Strohm. "Unsere beiden Kollegen wegen Diebstahls einzusperren, ist jedenfalls nicht nachvollziehbar. Schließlich haben sie das unterschlagene Walfleisch umgehend als Beweismittel der Polizei übergeben", so Strohm.
Der heutige Protest in Wien ist Teil einer Reihe von weltweit stattfindenden Greenpeace-Aktionen zur Freilassung von Junichi Sato und Toru Suzuki. Zudem bekundeten bereits über 160.000 Menschen per E-Mail an die japanische Regierung ihren Unmut über die Verhaftung der beiden Walschützer. Am 1. Juli wird nun in einer erneuten Anhörung entschieden, ob die beiden Aktivisten weiterhin inhaftiert bleiben. Nach japanischem Gesetz können Personen bis zu 23 Tage ohne konkrete Anschuldigung festgehalten werden.
Jetzt mitmachen: Schreibe an die japanische Regierung und protestiere gegen die Verhaftung! (auf greenpeace.at)
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Quelle: Greenpeace |