Bereits zum dritten Mal überprüft marktcheck.at Nikolaus-Schokolade. Die Auswahl an Nikolos aus fairer, umwelt- und tierfreundlicher Produktion ist nach wie vor sehr klein. Die Schokoladen von Zotter und EZA sind an vorderster Stelle, die große Mehrheit der überprüften Nikolo-Produkte schneiden jedoch nur "Kritisch" oder "Ungenügend" ab.
Wie schon in den Jahren davor haben die ExpertInnen von marktcheck.at Nikolo-Schokolade überprüft und nach
Die Zotter- und EZA-Schokoladen waren bereits im Vorjahr die Empfehlung der ExpertInnen und haben auch heuer wieder dieses Ergebnis erzielt. Kein einziges Produkt bekannter Schokolade-Herstellern wie Milka, Lindt, Hauswirth, Ferrero, Hofbauer, Nestle, Riegelein, Manner oder Heindl erreichte ein "Grün!" (Hervorragend) oder "Grün" (Gut), sondern konnte nur "Orange" (Kritisch)" oder "Rot" (Ungenügend) eingestuft werden.
Sklaven-Schokolade
Zwei Drittel des Kakaos für die Schokoladeproduktion kommen aus Westafrika. Dort arbeiten 300.000 Kinder auf Kakaoplantagen unter allerschlimmsten Arbeitsbedingungen: Bis zu 12 Stunden pro Tag hantieren sie mit hochgiftigen Pestiziden und Macheten, ohne Schutzkleidung, ohne ausreichend Wasser und Nahrung und vor allem, sehr oft, ohne Lohn. Viele dieser Kinder kommen noch dazu durch Menschenhandel in diese sklavenähnliche Abhängigkeitsverhältnisse. Die überwiegende Mehrheit der untersuchten Nikoloprodukte wurden mit solchem Kakao hergestellt. Die Südwind-Expertin Christina Schröder appelliert aus diesem Grund an die KonsumentInnen: "Bevorzuge Schokolade und Kakao aus fairem Handel. Nur so kann garantiert werden, dass für unsere Naschereien keine Menschen-und Arbeitsrechte verletzt werden." Diese sind in der Nikolo-Produktliste mit "Grün!" (Hervorragend) in der Spalte "Sozial" zu erkennen.
Milch aus Gentech-Fütterung
90 Prozent aller ÖsterreicherInnen lehnen Gentechnik in Lebensmittel ab. Die Molkereien sind dem Wunsch der VerbraucherInnen gefolgt und mittlerweile ist 80 Prozent der österreichischen Trinkmilch gentechnikfrei. Da bei der Herstellung von Schokolade jedoch haupsächlich Trockenmilchpulver eingesetzt wird, hat Greenpeace im November 2007 die verantwortlichen Schokolade-Hersteller schriftlich kontaktiert. Betroffen davon sind alle Unternehmen, die konventionelle Schokolade herstellen. Die Bio-Hersteller sind ausgenommen, weil Gentech-Tierfutter bei biologischer Produktion verboten ist.
Keine einzige der von Greenpeace kontaktierten Firmen hat geantwortet. Es ist also davon auszugehen, dass bei der Herstellung der Rohmilch - aus der in weiterer Folge das eingesetzte Milchpulver produziert wird - Gentech-Pflanzen an die Kühe verfüttert wurden. "Milka, Lindt & Co. ignorieren die Wünsche von Millionen KonsumentInnen, indem sie Trockenmilch aus Gentech-Produktion für die Schokolade verarbeiten," kritisiert Claudia Sprinz von Greenpeace. In der Nikolo-Produktliste erkennst du die ökologisch wenig empfehlenswerten Nikoläuse an der Bewertung "Orange" (Kritisch) bzw. "Rot" (Ungenügend) in der Spalte "Ökologisch". Wer es genau wissen möchte kann sich in die Produktdatenbank einloggen und die ökologische Detailbewertung (Inhaltsstoffe, Transport, Verpackung, Gentechnik) jedes einzelnen Produktes nachlesen.
Problematische Tierhaltung
Auch bei der Haltung der Milchkühe zur Produktion der Trockenmilch sieht es bei konventionellen Produkten traurig aus. Sie wird ausnahmslos in Massentierhaltung hergestellt. Grüne Almen, wie in der Werbung oft suggeriert wird, haben diese Kühe nie gesehen. Noch immer ist die Anbindehaltung weit verbreitet. Dabei werden die Kühe mit einer Kette fixiert. Die einzige noch mögliche Bewegung ist das Aufstehen und Niederlegen und das oft ein ganzes Kuhleben lang. Auch riesige überzüchtete Euter sind ein gravierendes Problem in der Milchwirtschaft. Die Größe der Euter behindert die Tiere bei der Bewegung. Oft entstehen Entzündungen vom ständigen Reiben des Euters an den Schenkelinnenseiten und es bilden sich schmerzhafte Geschwüre. Das größte Problem ist aber sicherlich die Überproduktion an Kälbern. Damit eine Kuh ein hohes Milchleistungsniveau hält, muss sie alle 1-2 Jahre ein Junges zur Welt bringen. Da so viele Milchkühe aber nicht benötigt werden, entsteht ein Überangebot. Milchkühe nutzt man in der Regel nicht mehr für die Fleischproduktion, da sie nicht genug Fleisch ansetzen würden. Dafür gibt es eigene Fleisch-Rassen. Die "überschüssigen" Kälber werden dann oft quer durch Europa, ja teilweise bis in den Nahen Osten transportiert, nur um geschlachtet zu werden. So weite Strecken transportiert man deshalb, weil durch die Preisgefälle zwischen den Ländern noch immer ein "gutes" Geschäft gemacht werden kann. Übrigens: damit der Mensch die Milch trinken (oder zu Schokolade verarbeiten) kann, nimmt man der Mutter das Junge nach spätestens vier Tagen weg. Nach spätestens vier Tagen deshalb, weil verhindert werden soll, dass sich die MutterKindBeziehung voll ausbilden kann. Die Mütter würden sonst zu lange nach ihren Jungen brüllen, was verhindert werden soll. Das Problem der Trennung von Mutter und Kalb haben wir leider auch bei Bio-Milch fast immer. In der Nikolo-Produktliste sind die Produkte, deren Trockenmilch aus Massentierhaltung stammt, mit "Rot" (Ungenügend) zu erkennen. Nikolo-Schokolade ohne tierische Zutaten ist bei Tierschutz unbewertet.
Die marktcheck.at ExpertInnen empfehlen daher auch heuer wieder faire Bio-Schokolade:
- Wer zu Nikolaus guten Gewissens Schokolade schenken möchte hat auch heuer die Wahl zwischen den beiden Zotter- und dem EZA-Produkt. Diese erhältst du in den Weltläden. Dort gibt es auch heuer erstmals einen Adventskalender aus fairer Bio-Schokolade.
- Aber auch jede andere Bio-Schokolade mit Fairtrade-Gütesiegel kannst du bedenkenlos ins Sackerl stecken. Zu kaufen gibt es sie in Weltläden oder in vielen Supermärkten.
Auf www.marktcheck.at wird es ab 1. Dezember wieder Infos und Tipps für den bewussten Weihnachtseinkauf geben.
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Quelle: Greenpeace, Vier Pfoten, Südwind |