In den letzten drei Jahren wurden in Kambodscha drei GewerkschafterInnen ermordet, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie eingesetzt haben.
In den letzten drei Jahren bezahlten drei Gewerkschaftsfunktionäre ihren Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie mit ihrem Leben. Athit Kong, Vizepräsident der Gewerkschaft "Coalition of Cambodian Apparel Workers Democratic Union" (CCAWDU), berichtete gestern bei einer Pressekonferenz in Wien über die Repression von Gewerkschaften und das brutale Vorgehen gegen deren MitgliederInnen und FunktionärInnen im Königreich Kambodscha.
Kleidung "Made in Cambodia" findet sich bei nahezu allen größeren Bekleidungs- und Sportartikelanbietern in Österreich: Zara, H&M, C&A, Adidas, Nike, Calvin Klein und Ralph Lauren lassen im südasiatischen Königreich Kambodscha produzieren. Der Mindestlohn einer Näherin in Kambodscha beträgt 37 Euro im Monat. "Die Arbeiterinnen und Arbeiter müssen täglich vier Überstunden machen, um mit dem Lohn überleben zu können. Für zwölf Stunden Arbeit täglich bekommen sie 62 Euro im Monat", so Athit Kong. Mit Hilfe temporärer Beschäftigung umgehen die Firmen die Verpflichtung, Sozialleistungen für die ArbeiterInnen zu zahlen. Zwar fordern unabhängige Gewerkschaften die Erhöhung der Löhne, die Senkung der Wochenstunden und permanente Beschäftigungsverhältnisse, doch Fabrikinhaber und Polizei reagieren auf gewerkschaftliche Organisierung mit Entlassungen der ArbeiterInnen und gewalttätigen Übergriffen. "Unangenehme Gewerkschaftsfunktionäre werden ermordet, und die Regierung schaut zu", schildert Athit Kong die Situation in Kambodscha.
Am 24. Februar 2007 wurde Hy Vuthy, Vorsitzender der unabhängigen Gewerkschaft des Königreichs Kambodscha (FTUWKC) in der Suntex Textilfabrik, auf dem Heimweg von der Nachtschicht in Phnom Penh erschossen. Er ist somit der dritte Gewerkschaftsfunktionär, der innerhalb von drei Jahren ermordet wurde. "Man setzt seinen Arbeitsplatz und sein Leben aufs Spiel, wenn man für eine Gewerkschaft tätig ist. Trotzdem, nur mit starken Gewerkschaften können wir Verbesserungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter erreichen", erklärt Athit Kong.
"Der Kampf gegen die unhaltbaren Zustände in Kambodscha und vielen anderen Ländern in Asien muss in Europa beginnen", sagt Monika Kemperle, leitende Sekretärin des ÖGB. "Europäische und US-Konzerne machen hier riesige Gewinne, aber es klebt allzu oft Blut an diesem Geld." Das Papier, auf dem Verhaltenskodizes der großen Unternehmen verfasst werden, sei geduldig, so Kemperle. "Die Unternehmen müssen auf der Einhaltung von geregelten Arbeitszeiten, fairer Entlohnung und Gewerkschaftsrechten bestehen oder sie müssen verstärkt mit unserer Kritik hier in Europa rechnen."
Michaela Königshofer, Koordinatorin der Clean Clothes Kampagne, betont, wie wichtig es ist, dass sich KonsumentInnen für faire Arbeitsbedingungen bei der Produktion ihrer Kleider aussprechen. "Es braucht den Druck von Seiten der Konsumentinnen und Konsumenten, um Gewerkschaftsfreiheit durchzusetzen und Arbeitsbedingungen zu verbessern."
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Quelle: Clean Clothes |