Nach Schätzungen des World Resource Institutes sind nur mehr 22% der Urwälder unserer Erde intakt. Von den ursprünglich nahezu 62 Millionen km2 Wald am Beginn der Menschheitsgeschichte sind etwa die Hälfte völlig verloren und etwa ein Viertel zu Nutzwald umgewandelt. Dieser Baumbestand kann die ökologische Funktion des Waldes jedoch nur mehr eingeschränkt erfüllen. Zwei Drittel der verbliebenen Waldfläche der Erde (ca. 68%) teilen sich Russland, Kanada und Brasilien. So verschieden diese Länder auch erscheinen mögen, gemeinsam ist ihnen die Unfähigkeit, ihre Wälder nachhaltig zu bewirtschaften.
Tropische Regenwälder
Als besonders gefährdet gelten heute die tropischen Regenwälder. Zum einen sind die tropischen Regenwälder äußerst empfindliche Ökosysteme auf größtenteils nährstoffarmen Böden - zum anderen liegt das Gros der Regenwälder in Ländern, die gerade erst am Beginn ihrer wirtschaftlichen Entwicklung stehen. Einer Entwicklung, die noch immer stark auf Raubbau ausgerichtet ist.
Wurden einst rund 15% der Erdoberfläche von tropischen Regenwäldern bedeckt, sind es heute nur noch 6%. In den letzten Jahren ging pro Jahr die unglaubliche Fläche von mindestens 137.000 km2 in den Tropen verloren - mehr als die Fläche Österreichs und der Slowakei zusammen.
Urwälder sind mehr als nur ein Ort mit Bäumen. Sie stellen eine enorme biologische Reserve für die Erde dar. Fast die Hälfte aller bekannten Landlebewesen finden sich im Regenwald. Gemeinsam mit den Abermillionen unentdeckten Tieren und Pflanzen bilden sie ein genetisches Reservoir unermesslichen Reichtums.
Das Verschwinden der Regenwälder birgt große Gefahren für das Weltklima: Zum einen droht durch die CO2-Emissionen der brennenden Wälder Gefahr - zum anderen durch die Störung des komplexen Wasser-Kreislaufs. Jährlich werden etwa 5 Milliarden Tonnen CO2 bei Waldbränden freigesetzt, was etwa 17% des gesamtglobalen CO2-Ausstosses entspricht.
Der Süßwasservorrat im Amazonasbecken beträgt etwa 20% des weltweiten Vorrates. Wo Regenwald abgeholzt wird, steigen die Temperaturen an, und die Niederschläge gehen zurück. Da die Meeresströmungen unter anderem von den Unterschieden der Salzgehalte abhängen können sich durch das Abfließen weniger Wassers aus dem Amazonas die Strömungen wesentlich verändern. Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf das Weltklima.
Finger weg von Urwaldholz
Bäume sind eine erneuerbare Ressource - Urwald ist es nicht! Urwaldgebiete sind - zumindest in menschlichen Zeiträumen - nicht erneuerbar. Urwälder als Ganzes mit allen ihnen verbundenen Arten sind unwiederbringlich. Mit dem Verschwinden der Urwälder würden Millionen Tier- und Pflanzenarten für immer aussterben.
Ein neues Holz-Bewusstsein
Jede/r einzelne, die Holz verwendet, sollte sich der Knappheit der Bio-Ressource "Urwald" bewusst sein. Holz kann noch für Jahrtausende ein wichtiges Baumaterial und ein wertvoller Energieträger bleiben. Voraussetzung dafür sind intakte Wälder und ihre naturnahe Bewirtschaftung. Die verbliebenen Urwälder müssen in ihrer biologischen Funktion vollständig erhalten bleiben.
Jede KonsumentIn hat ein Recht auf gesicherte Information, um die richtige Kaufentscheidung in Sachen Holz treffen zu können. Doch Industrie und Handel lassen die KäuferInnen absichtlich im Dunkeln tappen. Über Holz in Brettern, Möbeln oder Leisten weiß man weniger als über jeden Kaugummi. Eine Lösung für dieses Problem würde ein weltweit anerkanntes, nachvollziehbares Gütesiegel für ökologisch akzeptables Holz darstellen. Die Holzindustrie in Europa weigert sich jedoch, solch ein verbindliches Gütesiegel einzuführen. Solange die Wirtschaft nicht von selbst reagiert, muss die treibende Kraft dazu von den KonsumentInnen ausgehen. |