Norwegen setzt seine umstrittene Jagd auf Wale inmitten der geplanten Saison nach nur 14 Wochen aus. Nur halb so viel Walfleisch wie zur gleichen Zeit im Vorjahr wurde bisher verarbeitet. Für die diesjährige Walfangsaison hatte Norwegen die selbst erteilte Fangquote im Vergleich zu Vorjahren um fast 30% auf 1.052 Wale erhöht.
Norwegische Presseberichte spielen das Problem herunter und bezeichnen den Stopp des Walfangs als dreiwöchigen Urlaub für die WalfängerInnen, während die FleischabnehmerInnen selbst auf Urlaub und die Verkaufszahlen gesunken seien. Norwegische Online-Presseberichte sprechen jedoch davon, dass die Walfangindustrie mit ernsthaften Problemen zu kämpfen hat.
Die norwegische Fischereiorganisation "Rafisklaget" hat zu einem Stopp des Walfangs aufgerufen, da sie kein weiteres Walfleisch kaufen will. Es scheint, als wäre die Qualität des Walfleisches gering und der Handel nicht in der Lage, das bereits gekaufte Fleisch zu veräußern, so dass es an Lagermöglichkeiten für weiteres Walfleisch mangelt. Von der Gesamtquote von 1.052 Tieren wurden bisher lediglich 435 getötet. Alle Wale wurden im Küstenbereich erlegt. Ob die norwegischen WalfängerInnen die selbst erteilte Quote erreichen, wenn die Jagd wieder aufgenommen wird, bleibt abzuwarten.
Nicolas Entrup von der internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS sagt: "Norwegen hat in diesem Sommer ein echtes Problem. Die dramatische Erhöhung der Walfangquote sollte ein politisches Statement sein. Ein Schuss, der nun nach hinten losgeht: Die WalfängerInnen wollen nicht zu den weit entfernten Walfanggebieten fahren, für die die diesjährigen Quoten gelten. Das Fleisch der in Küstennähe gefangenen Wale ist allerdings wahrscheinlich stärker mit Schadstoffen belastet. ZwischenhändlerInnen können das Fleisch der bereits getöteten Wale nicht verkaufen und die Kühlhäuser sind voll."
In diesem Sommer wird von der Walfanglobby in Norwegen ein "Walmobil" unterstützt, das den Menschen zeigt, wie man Walfleisch am besten kochen kann. Die Nachfrage nach Walfleisch ist in Norwegen derart gesunken, dass die Industrie das Fleisch mittlerweile auch zu Tierfutter verarbeitet.
Nicolas Entrup meint: "Erst in der vergangenen Woche musste die Regierung seine WalfängerInnen verteidigen, da sie einen Wal vor den Augen eines vollbesetzten Walbeobachtungsbootes getötet hatten. Eine verantwortungslose Lobbygruppe, die von der Regierung gestützt wird, schadet dem Land und den Walen!"
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Quelle: WDCS |