Der Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten bzw. Produkten daraus ist neben der Zerstörung der Lebensräume die Hauptursache für die Gefährdung vieler Arten. Gerade in der Urlaubzeit ist die Gefahr groß, dass Tausende getrocknete Seepferdchen, kiloweise Korallen, Stör-Kaviar oder Elfenbein illegal als Reisemitbringsel enden. Auch der Handel mit lebenden Tieren - insbesondere Reptilien - für den weltweiten Haustiermarkt steigt auffällig an.
Der WWF hat deshalb gemeinsam mit dem Lebensministerium und der Österreichischen Zoo Organisation (OZO) eine Informationskampagne gestartet. "Das falsche Souvenir im Handgepäck kann UrlauberInnen am Zoll große Schwierigkeiten bereiten, ebenso der Kauf eines geschützten Papageis ohne die nötigen Genehmigungen", sagt Mag. Jutta Jahrl, WWF-Artenschutzexpertin, "denn bei Verstößen gegen die Gesetze zum Schutz von Tier- und Pflanzenarten drohen Freiheitsstrafen von bis zu 2 Jahren."
Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) und noch strengere EU-Gesetze regeln den internationalen Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Mehr als 30.000 Arten sollen so vor dem Aussterben geschützt werden. "Es ist für Reisende unmöglich, alle Arten auf dieser Schutz-Liste zu kennen, daher ist es wichtig, im Zweifelsfall auf den Kauf des begehrten Souvenirs zu verzichten", sagt DI Günter Liebel vom Lebensministerium, der CITES-Vollzugsbehörde in Österreich, die die nötigen Genehmigungen ausstellt und Auskünfte erteilt. Neben dem legalen Handel mit geschützten Arten werden am Zoll auch immer wieder bedrohte Tier- und Pflanzenarten bzw. Produkte aus diesen beschlagnahmt. "Die Bandbreite reicht dabei - wie z.B. im Vorjahr - von Elfenbeinschnitzereien, über Wolfsfelle und Reptilienlederprodukte, Stör-Kaviar, Kakteen und Orchideen bis zu lebenden Papageien, Greifvögeln und Reptilien", beschreibt DI Liebel das brisante Problem.
"Obwohl der kommerzielle Elfenbeinhandel seit 1989 international fast ausnahmslos streng verboten ist, sind Stoßzähne von Elefanten immer noch eine heiß begehrte Ware. Jedes Jahr werden 4000 der grauen Riesen dafür illegal getötet", erzählt Jahrl. An italienischen oder kroatischen Stränden werden nach wie vor geschützte Muschelarten, Korallen oder getrocknete Seepferdchen als Souvenirs verkauft. "Wir raten UrlauberInnen, dass sie besser die Finger davon lassen, bevor sie den illegalen Handel von bedrohten Arten - oft unwissentlich - fördern", so Jahrl. Also lieber schauen, statt kaufen! Denn auch Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Für etliche Arten ist die Situation bereits dramatisch, so z.B. für viele wildlebende Katzen, deren Felle und Zähne bei Wilderern begehrt sind und als Pelzmäntel und Schmuckstücke verkauft werden. Solange die Nachfrage besteht, sind Wilderei und illegaler Handel ein gutes Geschäft. "In Kirgisien bringt z.B. das Fell eines Schneeleoparden das 60fache des jährlichen Mindestlohnes ein", so Jahrl.
Die Österreichische Zoo Organisation (OZO) unterstützt die Informationsoffensive ganz maßgeblich. In den Tiergärten Herberstein, Schönbrunn, Salzburg, Schmiding bei Wels (OÖ), dem Alpenzoo Innsbruck und dem Haus des Meeres in Wien machen Infotafeln besonders auch auf die dramatische Situation des florierenden Handels mit exotischen Heimtieren aufmerksam. In Europa wird hier eine steigende Nachfrage festgestellt.
Der Großteil dieses Handels befolgt Tier- und Artenschutzgesetze. Aber auch der illegale Markt blüht. Reptilien und Vögel wie Papageien oder Greifvögel, aber auch Affen sind Opfer dieses brutalen und verbotenen Geschäfts. "Je seltener und gefährdeter eine Art ist, umso höhere Preise können auf dem Schwarzmarkt erzielt werden", so Mag. Andreas Kaufmann, Präsident der OZO und Direktor des Tier- und Naturparks Schloss Herberstein. Neben den Qualen, die diese Tiere bei Fang und Transport durchmachen müssen, sind durch den Handel vielfach auch die Bestände der Art in freier Natur bedroht. "Erhöhen Sie nicht die Nachfrage nach streng geschützten Arten", appelliert Kaufmann bei der heutigen Pressekonferenz an alle Liebhaber exotischer Tiere.
In den genannten Zoos, in zahlreichen Reisebüros, Zollstationen und Flughäfen werden auch heuer wieder Informations-Folder für Kinder und Erwachsene aufliegen, damit sich Tierfreunde und Reisende über die Thematik des illegalen Handels mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten einen raschen Überblick verschaffen können. Die Folder können auch beim WWF unter 01-488 17 222 (Manuel Böck) kostenlos bestellt werden.
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Quelle: WWF |