Greenpeace zeigte die Parfümerien Müller und Douglas bei der Lebensmittelaufsicht an.
Das Gesundheitsministerium veröffentlichte eine Untersuchung der Parfums, die angeblich "Entwarnung" gibt. In Wirklichkeit wurde sie unvollständig durchgeführt.
Parfumeriegeschäfte von Greenpeace angezeigt
Greenpeace zeigte am Donnerstag, den 9. Juni die Parfümerie- und Drogerieketten Douglas und Müller bei der Lebensmittelaufsicht in Wien an und benachrichtigte auch alle Landesregierungen. Grund für diese Maßnahme ist der Verkauf von Parfüms mit in der EU verbotenen gesundheitsgefährdenden Stoffen. "Wir mussten uns zu diesem Schritt entschließen, damit auch in Österreich die EU-Gesetzgebung zum Schutz der Bevölkerung eingehalten wird und diese Parfüms endlich vom Markt verschwinden", so Nina Thüllen, Konsumentensprecherin von Greenpeace. Nach der Veröffentlichung der vier Parfüm-Testergebnisse am Freitag, den 3. Juni starteten Polizei und Gesundheitsbehörde in der Slowakei unverzüglich Voruntersuchungen.
Greenpeace veröffentlichte am 3. Juni, dass die Parfümerien vier Parfüms mit illegalen Stoffen verkaufen und forderte die Händler auf, diese Produkte aus den Regalen zu nehmen. Trotz dieser Warnung hatten die beiden Parfümketten nach knapp einer Woche nicht reagiert.
Greenpeace hatte bereits am 28. April, kurz vor dem Muttertag, die Testergebnisse von 36 Parfüms veröffentlicht. Schon damals wurden Stoffe aus der Gruppe der Phthalate nachgewiesen. Greenpeace vermutete, dass sich diese Giftstoffe noch immer in den Parfüms finden, obwohl sie seit erstem April in der EU verboten sind. Nachdem die zuständige Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat trotz dieser Vermutung nicht aktiv geworden war, hatte Greenpeace selbst eine zweite Testrunde an vier der zuvor untersuchten Parfüms in Auftrag gegeben und fand die verbotenen Phthalate DEHP und DBP in Aigner "in Leather", in "Eternity" von Calvin Klein und Chanel No 5 erneut.
Am Dienstag, den 14. Juni teile das Marktamt der Stadt Wien Greenpeace mit, dass "auf Grund der Warnung vor Giftstoffen in teuren Parfums [Greenpace-Schreiben an die Marktamtsdirektion] von Seiten des Marktamtes der Stadt Wien in Wiener Betrieben Proben solcher Produkte entnommen und der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Kosmetikabteilung) zwecks Untersuchung auf Inhaltsstoffe übermittelt wurden."
Untersuchung des Ministeriums unvollständig
Das Gesundheitsministerium hat endlich auf die Forderung von Greenpace reagiert die Parfums zu testen. Am Freitag, den 10. Juni wurde eine Presseaussendung mit dem Titel "Entwarnung bei Parfümzusätzen" veröffentlicht. Die Untersuchungsergebnisse des Gesundheitsministeriums zeigen, dass die Greenpeace Parfüm-Analysen erste positive Wirkungen bei den Herstellern zu haben scheinen. So konnte das Gesundheitsministerium von Greenpeace festgestellte Belastungen bzgl. verbotener Moschusverbindungen nicht mehr reproduzieren.
Absurd ist jedoch, dass die AGES (Agentur für Ernährungssicherheit) nur auf Moschusverbindungen und nicht auf die seit 1. April 2005 in der EU verbotenen Phthalate (Weichmacher) getestet hat. Greenpeace hatte neben dem Einsatz verbotener Moschusverbindungen auch die Verwendung illegaler Phthalate kritisiert. Greenpeace Sprecherin Nina Thüllen: "Die Gesundheitsministerin versucht nach wie vor, das Problem dieser giftigen Stoffe in Parfüms zu ignorieren." Und das, obwohl vor einer Woche veröffentlichte Nachtests von Greenpeace gezeigt hatten, dass das Problem der Verwendung der Phthalate DEHP und DBP in Parfüms nach wie vor vorhanden ist. Die EU hat festgestellt, dass die gefundenen Stoffe DEHP und DBP die Fruchtbarkeit bzw. die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen können.
Thüllen weiter: "Die Gesundheitspolitik in Österreich darf sich nicht auf Versuche beschränken, aktuelle Probleme unter den Teppich zu kehren. Rauch-Kallat muss sich jetzt in der Bundesregierung für eine starke Position Österreichs zur neuen EU-Chemikaleinpolitik (REACH) einsetzen. Gefährliche Stoffe müssen endlich verpflichtend durch ungefährliche ersetzt werden."
Quelle: Greenpeace |