Rechtzeitig vor dem Muttertag warnt Greenpeace vor gesundheitsschädlichen Stoffen in 36 Eau de Toilette- bzw. Eau de Parfum-Marken. Die Umweltorganisation hatte die Produkte von einem unabhängigen Labor auf Chemikalien aus der Gruppe der Phthalate und der synthetischen Moschus-Duftstoffe testen lassen. Alle untersuchten Proben waren positiv. Zahlreiche Produkte enthielten sogar Substanzen, deren Einsatz in Kosmetika illegal ist. Die nachgewiesenen Stoffe können gesundheitsschädigende Effekte haben, weil sie potenziell krebserregend und hormonell aktiv sind und Fruchtbarkeitsschädigungen bis hin zur Leberschädigung verursachen können. Greenpeace fordert Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat auf, umgehend alle Parfüms auf dem Markt testen zu lassen. Produkte mit illegalen Substanzen müssen umgehend zurück gerufen werden. Sende ein Protestmail an die Gesundheitsministerin!
In 35 von 36 getesteten Parfüms waren Phthalate enthalten. In 13 der untersuchten Produkte wurde das Phthalat DEHP nachgewiesen. Der Verkauf von kosmetischen Mitteln, die DEHP enthalten, ist seit 1. April 2005 EU-weit untersagt. Laut EU-Einstufung kann DEHP "die Fruchtbarkeit beeinträchtigen" und "das Kind im Mutterleib schädigen". Auch die ebenfalls seit ersten April 2005 verbotenen Phthalate BBP und DBP wurden in mehreren Parfüms nachgewiesen.
Die untersuchten Produkte wurden vor dem Inkrafttreten des EU-Verbots gekauft. Greenpeace hegt jedoch den Verdacht, dass bislang keine Produktumstellungen stattgefunden haben. Greenpeace hat die Hersteller der in Österreich erhältlichen getesteten Parfüms um Informationen bezüglich aller enthaltenen Inhaltsstoffe gebeten. Keiner der Produzenten erklärte sich bereit, diese Information zur Verfügung zu stellen. Greenpeace vermutet, dass die Hersteller versuchen zu vertuschen, dass nach wie vor illegale Substanzen eingesetzt werden.
In mehreren Produkten wurden die synthetischen Moschus-Duftstoffe "Moschus Mosken" und "Moschus Tibeten" nachgewiesen. Ihren Einsatz in Kosmetika hat die EU bereits seit 2000 verboten, weil sie in Verdacht stehen, krebserregend zu sein. In Paco Rabanne, XS Pour Homme wurden 15 mg/kg Moschus Mosken nachgewiesen.
Diese chemischen Inhaltsstoffe sind meist nicht deklarationspflichtig und deshalb nur in den seltensten Fällen auf den Verpackungen angegeben. Konsumenten haben deshalb nicht die Möglichkeit sich bewusst gegen Produkte mit diesen Inhaltsstoffen zu entscheiden.
"Es ist ein Skandal, dass Konsumenten täglich durch die Verwendung von Parfüms, die Risiko-Chemikalien enthalten, Gesundheitsgefahren ausgesetzt sind. Unseren Politikern ist dieses Problem schon lange bekannt und trotzdem wird nicht gehandelt. Es muss endlich eine strenge EU-Gesetzgebung geben, die den Einsatz von allen Risiko-Chemikalien untersagt. Profitinteressen einzelner Konzerne dürfen nicht über die Gesundheit der Menschen gestellt werden. Umweltminister Pröll darf sich nicht wieder von Wirtschaftsminister Bartenstein in die Knie zwingen lassen und muss dafür sorgen, dass Risiko-Chemikalien zukünftig endlich verpflichtend durch unschädliche ersetzt werden müssen", so Chemie-Experte Herwig Schuster von Greenpeace.
Unmittelbar nach der Aussendung von Greenpeace gab es eine Reaktion der chemischen Industrie über die APA, dass es keine Gesundheitsgefahren gebe und viele Phthalate von der EU zur Verwendung freigegeben seien.
Greenpeace widerspricht dieser Aussage: Die Phthalate DEHP, BBP und DBP sind gemäß der EU-Richtlinie 2004/93/EC verboten. Diese Verordnung verbietet den Einsatz von krebserregenden, erbgutschädigenden und fortpflanzungsgefährdenden Stoffen in kosmetischen Produkten. DEHP, BBP und DBP sind in der EU als frucht- und fortpflanzungsschädigend eingestuft und daher eindeutig verboten.
"Außerdem ist seit Jahren wissenschaftlich unumstritten, dass es für derartige Stoffe keine sicheren Grenzwerte gibt. Das Argument der chemischen Industrie, dass diese Stoffe in verdünnter Form ungefährlich wären, ist verantwortungslos und wider besseren Wissens", sagt Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster. Greenpeace schickte die Verordnung zum Nachlesen an Christian Gründling vom Fachverband der chemischen Industrie und fordert mit Nachdruck, dass die Produzenten sofort alle von Greenpeace beanstandeten Produkte mit Risiko-Chemikalien vom Markt nehmen.
 | Der Greenpeace Parfumreport
|  | Die marktcheck.at Produktdatenbank-Liste der Parfumprodukte |
Quelle: Greenpeace |